Kunstsache

Künstler stehen wieder auf Öl

Gabriela Waldes wöchentlicher Streifzug durch die Berliner Galerien

Malerei ist cool“, ruft Tiina Elina Nurminen. Fehlt nur noch, dass sie dabei euphorisch hüpft. Da ist sie wirklich nicht die einzige, die mit dem Medium so leidenschaftlich verbandelt ist. Emma und ich haben gefühlt nur noch Malerei-Ausstellungen im Kopf. Plötzlich bekennen sich Künstler wieder zu Leinwand, Öl und Co., wobei sie das natürlich auf sehr eigene Weise tun. Wer also „Hunger nach Bildern“ hat, kann ihn in den Nordischen Botschaften stillen. Der schöne Titel stammt übrigens von dem Berliner Kunsttheoretiker Wolfgang Max Faust, einst so etwas wie die rote Bibel unter Kunstliebhabern.

Vier finnische Künstler, zwei Frauen, zwei Männer, mittleren und jüngeren Jahrgangs, 1967 bis ‘80, haben sich zusammengefunden. Teilweise erhalten sie eine Förderung vom Staat, die ihnen drei oder fünf Jahre kontinuierlich künstlerische Arbeit erlaubt. Dieses Modell existiert nicht in Deutschland. Hier in Berlin arbeiten permanent 30 bis 40 finnische Künstler, schätzt man in der Finnischen Botschaft.

Tiina Elina Nurminen hat ein langjähriges Stipendium, arbeitet in einer Industriehalle in Helsinki und wagt ziemlich artistische Farbschwünge auf Leinwand. Die Stadtlandschaften von Maiju Salmenkivi sind alles andere als kuschlig. Eine Brücke, Autobahn, Bahndämme, Züge, Autos. Die Acrylfarbe schüttet sie vorher auf die Leinwand, um sie dann „auszuwaschen“. Janne Räisänen saugt die Stadt auf mit all den Events. Er lebt in Moabit, den Kiez mag er, weil hier so gar nichts Aufgesetztes ist. Er hört Techno, trifft Freunde und Bekannte, was man halt so macht, und aus all diesen Bildern entstehen – wie in einer irren Schüttelkugel – seine malerischen Tableaus. Angesiedelt irgendwo zwischen urbanem Märchen und geisterhaften Visionen.

Aber gibt es überhaupt einen finnischen Stil? „Es herrscht Stilpluralismus“, sagt Kuratorin Ritva Röminger-Czako. Der Expressionismus aber hätte starke Wurzeln in Finnland geschlagen, erzählt sie, kaum verwunderlich, wenn man einst Munch, den malenden Existenzialisten, in der Nachbarschaft hatte. (Nordische Botschaften, Gemeinschaftshaus, Mo-Fr 10-19 Uhr, Sa/So 11-16 Uhr. Bis 7. März)

Jeden Sonntag schreibt Gabriela Walde, Kunstkritikerin der Berliner Morgenpost, über Berlins Galerien