Ausstellung

Mal A, mal B, mal C

Der Hamburger Bahnhof zeigt das breite Spektrum der Sammlung Marzona

Sie gilt als eine der bedeutendsten Sammlungen der Kunst der sechziger und siebziger Jahre – die Sammlung Marzona. Dass sie 2002 an die Staatlichen Museen überging – zu einem Drittel als Schenkung, zu einen Drittel durch Verkauf und zu einem Drittel als Dauerleihgabe – ist ein Glücksfall, versammelt sie doch über 600 Arbeiten der Konzeptkunst, Arte Povera, Land Art und Minimal Art mit Schlüsselwerken von Bruce Naumann, Laurence Weiner, Richard Serra, Jannis Kounellis, Mario Merz, Richard Long, Sol LeWitt, Gordon Matta-Clark und vielen mehr.

Zu ihr gehört außerdem ein 50.000 Positionen umfassendes Archiv aus Manuskripten, Arbeitsfotos, Konzeptbeschreibungen, Briefwechseln, Flugblättern, Tonträgern, Skizzen, Notizen, Einladungskarten, Plakaten, signierten Katalogen und Vertragsentwürfen.

In einer Art enzyklopädischer Spurensuche hat sich Edigio Marzona, Unternehmersohn aus Bielefeld mit italienischen Wurzeln im Friaul, seit 1968 den nicht marktkonformen Kunstrichtungen der sechziger und siebziger Jahre gewidmet. Dabei haben ihn nicht nur die Werke an sich interessiert, sondern der ganze Prozess, der zu ihnen geführt hat, handelte es sich doch um Arbeiten, die sich nicht mehr nur über Material und Form zu definieren suchten, sondern vor allem über Ideen, über Sprache und Konzepte.

Denn in erster Linie war diese Kunst ein radikales Aufbegehren gegen das Korsett der Nachkriegskunst und seine Ausstellungspraxis, ein Experimentieren mit ästhetischen Mitteln. Flüchtige museumsferne Kunstformen wie die Performance, kunstfremde Materialien wie Naturstoffe und institutionelle Kritik waren die Bestandteile dieser Strömungen, die bis heute die Kunst in einem hohen Maße prägen. Über zweieinhalb Jahre zeigt der Hamburger Bahnhof nun in vierteljährlich wechselnden Ausstellungen das ganze Spektrum dieser reichhaltigen Sammlung. Dazu hat sich die Kuratorin Lisa Marei Schmidt ein Konzept ausgedacht, dass den Künstlern der damaligen Zeit gefallen hätte: „Die Ausstellung orientiert sich am Alphabet, einer Struktur, die stringent und spielerisch zugleich ist und inspiriert vom Denken in der Kunst der sechziger und siebziger Jahre.“

Wie spielerisch das Alphabet als Grundlage für das Ausstellungskonzept sein kann, zeigt schon der Auftakt mit A: Unter A wie Arte Povera werden mit Mario Merz, Giuseppe Penone, Alighiero Boetti, Jannis Kounellis und Giovanni Anselmo fünf wichtigen Vertreter einer der zentralen Kunstrichtung der Sammlung gezeigt, unter B wie Buren eine Rauminstallation eines Einzelkünstlers, des französischen Konzeptkünstlers Daniel Buren. Dann gibt es noch einen Raum – fast leer – das „Büro“, das als anwachsendes Archiv gedacht ist. Darauf befragt, ob ihm die Ausstellung gefalle, sagte Edigio Marzona: „Ich fühle mich zu Hause.“

Hamburger Bahnhof, Invalidenstraße 50-51. Di-Mi 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr, Fr 10-18 Uhr, Sa-So 11-18 Uhr. Bis 23. 8.