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„Die schwersten Stunden“ von Hermann Göring

Nazi-Briefe werden nächste Woche in Berlin ausgestellt

Auf den 23.4.1944, 22 Uhr ist der Brief von Hermann Göring an Adolf Hitler datiert. Der Reichsmarschall fragte, ob er – da Hitler „in der Festung Berlin“ verbleibe – „als Ihr Stellvertreter sofort die Gesamtführung des Reiches mit voller Handlungsfreiheit nach innen und außen“ übernehme könne. Er setzt ihm eine kurze Frist und endet mit den Worten: „Was ich in diesen schwersten Stunden meines Lebens für Sie empfinde, wissen Sie, und kann ich durch Worte nicht ausdrücken.“ Ob Adolf Hitler geantwortet hat, ist nicht bekannt, er starb am 30. April 1945. In einer anderen Notiz wird die Vernehmung von Robert Ley, Reichsleiter der NSDAP, festgehalten. Dort sagt er, Deutschland sei selber schuld an der Niederlage, das Land sei zu „faul und zu inkompetent“.

Diese Schriftstücke gehören zu den 500 Dokumenten, die im vergangenen Jahr auf einem Flohmarkt in Tel Aviv aufgetaucht sind. 20 von ihnen werden am 27. Januar am Holocaust-Gedenktag in Berlin zu sehen sein. Zwei Tage später dann werden sie auf einer Auktion in Israel versteigert; mit einem Preis von 5000 bis 6000 Dollar rechnet das ausführende Auktionshaus Kedem. Obwohl die Dokumente keine historischen Neuheiten sind und bei den Nürnberger Prozessen verwandt wurden, seien sie wichtig, „damit die Menschen verstehen, lernen und sich erinnern“, sagte Rabbiner Yehuda Teichtal vom Jüdischen Bildungszentrum.

Die Dokumente sind Teil des Archivs des Historikers Isaac Stone. Ein Teil seines Nachlasses ist seit 1994 im Holocaust Memorial Museum in Washington, der andere Teil galt als verschwunden. Stone ging 1970 nach Israel, 1974 starb er. Wie die Dokumente auf einem Flohmarkt landen konnten, ist auch Auktionator Eran Reiss nicht bekannt.