Konzert

Nur die Liebe ist tabu

Schräges aus Köpenick: Knorkator wählt im Frannz Club musikalisch ungewöhnliche Wege

Sie haben schwer Freude daran, die Riten und Rituale des Musikgeschäfts auseinanderzunehmen. Sie sind frech und aufmüpfig wie ein Haufen pubertierender Kinder. Aber wenn es um ihre Musik geht, sind die Köpenicker ernsthaft bei der Sache. Bevor sie Ende des Monats auf große Tournee gehen, luden Knorkator am Donnerstagabend in den Knaack Club ein, um das Erscheinen ihrer neuen CD „We Want Mohr!“ zu feiern.

Sänger Stumpen und Gitarrist Buzz Dee erscheinen zunächst im Duo, um das ausverkaufte Haus ein wenig anzuwärmen und vorzubereiten auf die neuen Lieder, die sie später aufführen wollen. „Get Back“ von den Beatles spielen sie und singen „Gebäck, Gebäck, Gebäck stört in den Zähnen sehr“. Man kommt sich ein bisschen vor wie auf einer Party, bei der einer in der Küche die Gitarre hervorgekramt hat und eingedeutschte Dinge wie „The Lady Is A Tramp“ oder „Sunny“ zur Freude der angejuxten Gäste von sich gibt.

Zweites Schmankerl des Abends ist die Damenkapelle, die zuletzt schon beim Spandauer Zitadellen-Konzert für Freude sorgte und nun wieder Knorkator-Klassiker wie „Der ultimative Mann“ oder „Ich hasse Musik“ mit Bläsersätzen mal in ein Tango-, mal im Rumba-Arrangement verpackt. Wobei Gero Ivers alias Stumpen stets in bunt-großkariertem Outfit auf der Bühne sitzt, als Conférencier sozusagen, der sich durch diesen bunten Abend plaudert.

Auf einer Videowand werden alte Filmchen hervorgekramt. Da kann man Gitarrist Sebastian Baur alias Buzz Dee mit der Ostrock-Band MCT beim Open-Air-Konzert erleben, wie er Motörheads „Ace of Spades“ ins Mikrofon röhrt. Oder einen englisch radebrechenden Stumpen, der Ende der 80er-Jahre noch mit feuerrotem Haarschopf Sänger der Ostband Funkreich war. Die Musiker haben schon jede Menge durchgemacht, bevor sie 1994 als Knorkator zueinander fanden.

Es ist schon spät geworden, da stoßen endlich Keyboarder und Komponist Alf Ator, Bassist Rajko Gohlke und Schlagzeuger Sebastian Meyer zu Stumpen und Buzz Dee und machen Knorkator komplett. Mit dem älteren Stück „An meine Fans“, dieser hochkomischen Schmährede auf ein überaltertes, dickbäuchiges und bärtiges Publikum eröffnen sie ihr Konzert, bevor einige der neuen Lieder ihre Live-Premiere feiern. „Hymne“ beispielsweise, eine ironisch selbstverliebte Ballade. Oder „L“, ein Stück, in dem alles vorkommt, nur das Wort Liebe bleibt Stumpen als L im Halse stecken: „Leider bin ich inner Hardcore Band, und da ist das verboten, wir singen nur von Panzern‚ Rittern, Aliens und Toten“, singt er da und: „erlaubt ist einfach alles, aber L… ist tabu.“

Irgendwann, man erwartet es nicht anders, reißt sich Stumpen die bunten Kleider vom Leib, stellt seine großflächigen Tattoos auf gestähltem Leib zur Schau und trägt nur noch ein unbequemes pinkfarbenes Höschen. Und Knorkator hat sich dreier Texte aus Heinrich Hoffmanns „Struwwelpeter“ angenommen, so wie „Konrad“, in dem die Geschichte vom Daumenlutscher und dem flinken Schneider mit der Schere rabiat ausgekostet wird und die Geschichte vom fliegenden „Robert“. Zum Finale die dann Hymne „Wir werden alle sterben“. Ein Klassiker. Zum Mitsingen.