Bankrott

Weltbild-Verlag meldet Insolvenz an

Tausende Arbeitsplätze gefährdet. Zehn Filialen in Berlin bleiben offen

Die katholische Verlagsgruppe Weltbild hat Insolvenz angemeldet. Das bestätigte die Unternehmensleitung am Freitagnachmittag in Augsburg. Tausende Arbeitsplätze sind nun gefährdet. Wesentlicher Auslöser für die Insolvenz seien Verluste im zweiten Halbjahr 2013 und ein höherer Finanzierungsbedarf für die Sanierung über einen Zeitraum von drei Jahren gewesen, so der Verlag. Dieser wurde von Weltbild als doppelt so hoch wie bisher veranschlagt angegeben. Der Geschäftsbetrieb solle in Abstimmung mit dem Insolvenzverwalter, Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz, fortgeführt werden.

Der Insolvenzantrag betreffe nur die Verlagsgruppe in Augsburg, hieß es. Nicht berührt seien alle Filialen sowie Gesellschaften in Österreich, der Schweiz sowie das Internetportal bücher.de. In Berlin betreibt das Unternehmen zehn Filialen, darunter in der Wilmersdorfer Straße und der Frankfurter Allee. Der Medienhandelskonzern beschäftigt rund 6800 Mitarbeiter, davon 2300 am Hauptstandort Augsburg.

Am Donnerstagabend habe sich herausgestellt, dass die an Weltbild beteiligten deutschen Bistümer ihre Kapitalzusagen in Höhe von mehr als 60 Millionen Euro nicht zur Verfügung stellen wollten, sagte der Augsburger Ver.di-Sekretär Thomas Gürlebeck. Dies sei trotz der Zustimmung der Banken zum Sanierungsplan erfolgt. Zuvor hatte das „Handelsblatt“ auf seiner Internetseite unter Berufung auf Kirchenkreise das kurz bevorstehende Aus für den zweitgrößten deutschen Buchhändler gemeldet. In einer Nachtsitzung zum Freitag hätten sich die Eigentümer nicht auf eine weitere Finanzierung des defizitären Verlages einigen können.

Weltbild gehört zwölf deutschen Bistümern, der Katholischen Soldatenseelsorge Berlin und dem Verband der Diözesen Deutschlands. Im vergangenen Herbst war nach anhaltenden Verlusten ein Kapitalschnitt eingeleitet und ein Sanierungsexperte in den Vorstand berufen worden. Mehrere Diözesen sicherten zunächst Liquiditätshilfen in zusammen zweistelliger Millionenhöhe zu, erklärten aber zugleich, aus dem Gesellschafterkreis ausscheiden zu wollen.

„Die haben den Stecker gezogen“, zitierte das „Handelsblatt“ einen namentlich nicht genannten Verhandlungsteilnehmer. Die zur Sanierung benötigte Summe liege schätzungsweise „mindestens im unteren dreistelligen Millionenbereich“. Dies sei für die Kirche zu viel gewesen.

Zumal sich die Kirche in den vergangenen Jahren wiederholt über das ihrer Ansicht nach allzu weltliche Angebot ihres Buchhändlers beschwert. Dabei habe auch die Überlegung eine Rolle gespielt, ob nach der Diskussion um den Umgang mit Geld im Bistum Limburg weitere Einnahmen aus der Kirchensteuer in den defizitären Verlag gesteckt werden dürften.

Das „Handelsblatt“ zieht außerdem Parallelen zum Niedergang der Versandhäuser Quelle und Neckermann. Diese Unternehmen seien mit ihrem weiten System aus Katalogvertrieb und großem Filialnetz seien an denselben Strukturen gescheitert, wie sie Weltbild habe.