ARD

Ein wenig Wehmut vor den letzten „Tagesthemen“

Ingo Zamperoni wechselt von Hamburg nach Washington

Die Umzugskisten sind gepackt. Jetzt heißt es Abschiednehmen. Von Hamburg und den Fernsehzuschauern. „Ich liebe Abwechslung“, sagt Ingo Zamperoni, der nun von den „Tagesthemen“ als Korrespondent ins ARD-Studio nach Washington wechselt. „Ich habe nicht mit den Füßen gescharrt und nach einer neuen Aufgabe gelechzt. Aber nach sieben Jahren beim ‚Nachtmagazin’ gefällt mir die Vorstellung, dass jetzt etwas komplett Neues auf mich wartet.“

Es ist für ihn eine Art Heimkehr. Zamperoni hat in Boston studiert, im ARD-Studio in Washington einst ein Praktikum gemacht. Zamperoni gehört zu der Sorte Mensch, die keine Angst vor Veränderungen zu kennen scheinen, nur neue Herausforderungen sehen. Statt der Frage „Kann ich das?“ interessiert ihn: „Hab’ ich Lust dazu?“ Vielleicht gehört der 39-Jährige auch deshalb zu den beliebtesten Moderatoren hierzulande.

Zamperoni ist der Sunnyboy des deutschen Nachrichtenfernsehens. Das Schöne an einem Gespräch mit ihm ist, dass er keine Angst hat vor den eigenen Worten. Sich nicht ständig verbessert, Aussagen zurückholt. Er plaudert einfach drauflos. Das Gespräch findet im Büro von „Tagesthemen“-Kollegin Caren Miosga statt. Zamperoni hat kein eigenes.

Wie groß die öffentliche Aufmerksamkeit ist, wenn es um die heilige Kuh „Tagesthemen“ geht, hat Zamperoni einige Male erlebt. Als er bei der Fußball-WM 2012 in der Halbzeit das Spiel Deutschland-Italien mit dem Satz kommentierte: „Möge der Bessere gewinnen“, hagelte es Beschwerdebriefe. Zamperoni war plötzlich der freche Deutsch-Italiener, der zu Migrations- und Integrationsdebatten Stellung nehmen musste. Die Empörung hat Zamperoni überrascht, eingeschüchtert nicht. Schließlich stammt von ihm auch der Ausspruch „It’s just TV“.

Auch der Bart, den er kurzzeitig trug, rettete die deutsche Medienlandschaft über ein paar maue Wochen, in denen das Für und Wider diskutiert wurde. Der Bart ist längst ab, Zamperonis Grinsen und Grübchen wieder erkennbar. Ja, die Kamera mag sein Gesicht. Die Vita des Moderators liest sich, als sei es in seiner Karriere nur bergauf gegangen. Das mag stimmen, trotzdem werteten viele es als Rückschlag, dass man in der ARD zuletzt dem altbewährten Journalisten Thomas Roth den Vorzug bei der Wahl des Tom Buhrow-Nachfolgers gab. Zamperoni nahm es sportlich. Nun stößt er wieder eine neue Tür auf, Tausende Kilometer von Hamburg entfernt. „Es ist wie ein Traum, von dem ich gar nicht wusste, dass ich ihn träume“, beschreibt er das neue Leben, das auf ihn und seine amerikanische Frau wartet. Er müsse sich noch überlegen, mit welchen Worten er sich von den Zuschauern verabschieden wolle, sagt Zamperoni. Es soll nicht zu eitel wirken. Aber ein kleiner Abschiedsschmerz wird in diesen letzten Sekunden mitschwingen.