Streit

Iffland-Nachlass: Akademie räumt „unglückliche Formulierung“ ein

Schauspieler Bruno Ganz fordert die Veröffentlichung der rund 6000 Dokumente

Es kann nur einen Träger geben: Wer den Iffland-Ring bekommen hat, behält ihn bis zum Lebensende und gibt ihn dann an den aus seiner Sicht „bedeutendsten und würdigsten Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters“ weiter. Seit 1996 trägt Bruno Ganz den Fingerring mit dem Bild des Schauspielers, Theaterdirektors und Dramatikers August Wilhelm Iffland, der am Mannheimer Nationaltheater in der Uraufführung von Friedrich von Schillers Drama „Die Räuber“ Franz Moor spielte und in Berlin als Direktor des Königlichen Nationaltheaters (1796-1814) Bühnengeschichte schrieb. Ganz hat sich jetzt in den Streit um die jüngst aufgetauchten Iffland-Manuskripte eingeschaltet und fordert deren Veröffentlichung. Die Dokumente, darunter Briefe und Bühnenbildentwürfe, seien für die Geschichte des Theaters wichtig.

Um diesen Nachlass Ifflands ist ein Streit entbrannt. Die rund 6000 Dokumente sollten Ende dieses Monats auf einer Messe in Ludwigsburg verkauft werden. Aber das Land Berlin hat Strafanzeige gegen den Sammler Hugo Fetting eingereicht, der das Archiv einem Wiener Antiquariat angeboten hatte. Es bestehe der Verdacht, dass der Verkäufer unrechtmäßig an den Iffland-Nachlass gekommen sei. Das Antiquariat hatte den Nachlass daraufhin vom Markt genommen – bis zur Klärung der Herkunft.

Die vom Bund finanzierte Akademie der Künste Berlin war frühzeitig in den Fall involviert. Sie machte Ansprüche auf Teile der Sammlung Fetting geltend – und verzichtete gleichzeitig auf den Iffland-Nachlass, „weil der nicht uns gehört“, wie Archiv-Direktor Wolfgang Trautmann gegenüber der Morgenpost sagte. Bei den anderen, überwiegend aus dem 20. Jahrhundert stammenden Teilen der Sammlung sei die Akademie der Künste der DDR Eigentümer gewesen, teilweise sind die Materialien mit einem entsprechenden Stempel versehen.

Dass die Akademie in einem Gutachten explizit auf Ansprüche auf den Iffland-Nachlass verzichtet und damit aus Sicht des Antiquariats einen Freibrief ausstellte, bezeichnet Trautwein als „unglückliche Formulierung“. Nachdem der Vertrag mit dem Auktionshaus im Herbst 2013 unterzeichnet worden war, habe man das Landesarchiv Berlin über den Iffland-Nachlass informiert. Das Landesarchiv hat das dann der Senatskulturverwaltung mitgeteilt, die „juristische Schritte eingeleitet hat, um einen Weiterverkauf zu verhindern“, wie Sprecher Günter Kolodziej sagte. Er hofft, dass die Sammlung nach Berlin zurückkehrt. Wie der Iffland-Nachlass, der aus 34 Bänden mit rund 6000 Briefen, Manuskripten und Besetzungslisten besteht, in den Besitz von Hugo Fetting gekommen sein soll, kam, klingt kurios: Fetting, der von 1953 bis Mitte der 70er-Jahre an der Ost-Akademie arbeitete, will den Schatz im Sommer 1953 in den Trümmern der ehemaligen Generalintendanz der Preußischen Staatstheater an der Oberwallstraße gefunden haben. Er nahm die Sachen mit nach Hause.

Conrad Wiedemann, der lange Jahre die Forschungsstelle „Weimarer Klassik“ an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften leitete, hält das wieder aufgetauchte Iffland-Konvolut für einen der wichtigsten Nachlass-Funde der Nachkriegs-Zeit. Er plädiert dafür, „schleunigst eine Forschungsstelle“ zu schaffen, „die das alles erschließt“. Und gibt den Kollegen von der Akademie der Künste einen Seitenhieb mit. Da die sich „nicht für Iffland interessiert, wäre es sinnvoll, die Forschungsstelle an der Akademie der Wissenschaften anzusiedeln, wo es ja bereits eine Tradition der Iffland-Forschung gibt.“