Theater-Kritik

Satte Sounds und gängige Medien: Ein Theater tanzt

„Motown – Die Legende” feiert das schwarze Kultlabel

„Motown – Die Legende“ verwandelt das Theater am Kurfürstendamm für knapp drei Stunden in eine Konzertbühne: Das Mini-Musical, montiert aus Medleys und den größten Motown-Hits, feiert die Musik und die Künstler des schwarzen Kultlabels – von Diana Ross und The Supremes über Marvin Gaye, Mary Wells, Stevie Wonder und The Temptations bis zu den Jackson Five. Etwas spät für eine Gala zum 50. Labeljubiläum, das 2009 anstand, ist Motowns Black Music im Herzen des Berliner Westens zu Gast. Satte Sounds, treibende Rhythmen und eingängige Melodien reißen das Publikum mit, Professionalität und Präsenz der fünf Sängerinnen und Sänger beeindrucken – das Erfolgsrezept des Labelgründers Berry Gordy zündet noch heute.

In den frühen 60er-Jahren bedeutete Motown eine Kulturrevolution: Afroamerikanische Künstler traten weltweit auf, und zu ihrer Musik tanzten Schwarze und Weiße, auch gemeinsam. Begleitend zur US-Bürgerrechtsbewegung und Martin Luther Kings Kampf für die Gleichstellung integrierte der Motown-Sound ein zuvor segregiertes Publikum – und so schrieb der Songschreiber, Ford-Arbeiter, Boxer und Produzent Berry Gordy mit seinen Künstlern Kulturgeschichte. In „Motown – Die Legende“ wird der politische Kontext in ein paar pflichtschuldigen Filmschnipseln angedeutet, ein Thema ist er nicht. Wichtiger ist der Librettistin Mary Millane der auch kommerzielle Erfolg des Labels, das Gordy nach den Autofabriken der Motor Town Detroit benannte: Es produzierte Top-Ten-Hits wie am Fließband, im hauseigenen und rund um die Uhr betriebenen Studio. Die als Funk Brothers bekannten Studiomusiker spielten vermutlich mehr Nummer-Eins-Songs ein als je eine andere Band.

Für die fünf Musicalsänger im Theater am Kurfürstendamm ist dieses Erbe eine große Aufgabe. Jeder weiß, wie „My Girl“ der Miracles, „I Heard it Through the Grapevine“ von Marvin Gaye oder Diana Ross’ „Stop! In the Name of Love“ im Original klingen. Dass die Stimmen andere sind, fällt natürlich auf. Auch scheint die Aussteuerung der Headsets im ersten Teil nicht optimal. Recht bemüht wird hier, bei einer fiktiven Garagenprobe für eine Motown-Gala, die Geschichte der Hitfabrik mit Songzitaten und kleinen Herz-Schmerz-Geschichten vermischt. Im zweiten Teil dürfen die Sänger endlich eine Bühnenshow zelebrieren – und laufen mit den fünf Bandmitgliedern zu Hochform auf. Lana Gordon, die für den Diana-Ross-Sound besetzt ist, groovt und ist eine wundervolle Balladensängerin. Alvin Le-Bass, für die Stevie-Wonder-Partien eingesetzt, singt auch die dritte Supremes-Dame. Beim Finale hält es niemanden auf den Sitzen: Das Theater tanzt.

Theater am Kurfürstendamm Kurfürstendamm 206-209. Bis 9. Februar.