Roman

Schelmenstück aus einer neuen jüdischen Siedlung

Am Anfang war die Langeweile: Otniel Asis hat keine Lust mehr, Buchhalter zu sein, und sucht in der Umgebung seines Dorfes Ma’aleh Chermesch nach einem Ort, wo er Rucola und Cherrytomaten anbauen kann.

Er beschlagnahmt ein großzügiges Areal, das seine Freunde für einen idealen Siedlungsort halten, und so entsteht ein Stützpunkt aus Wohnwagen, getauft auf den Namen Ma’aleh Chermesch 3. Dank guter politischer Kontakte der Siedler wird das Projekt durch alle verfügbaren Gesetzeslücken geschleust und mit Spenden zionistischer Organisationen finanziert: „Und es kamen weitere Familien, junge Paare und Junggesellen – wer Erez-Israel liebte, wer Stille und Natur liebte, wer geringe Ausgaben liebte. Bisweilen waren Evakuierungsdrohungen zu vernehmen, oder es wurde ein mahnender Finger geschwenkt, nu-nu-nu, Babys wurden auf dem Hügel geboren, und so erblühte das Pioniertum unserer Tage…“

„Auf fremdem Land“ ist Assaf Gavrons vierter Roman, der in Deutschland erscheint. Er erzählt augenzwinkernd von einer Bürokratie im Wirrwarr widersprüchlicher Verordnungen sowie vom Mikrokosmos Ma’aleh Chermesch 3: Ein Lustspiel voller Vetternwirtschaft, tollpatschiger Soldaten, heimlicher Küsse und Verschwörungen. Der Autor überzieht scheinbar alles mit seiner schelmischen Ironie, ganz gleich, ob es sich um den verängstigten jungen Nachtwächter handelt, der lieber Kekse verteilen würde, als eine Waffe zu tragen, um die streitsüchtige Demonstrantin Neta oder um Gründervater Otniel, der außer sich gerät, wenn er in einem Zeitungsartikel versehentlich als Petersilienzüchter bezeichnet wird.

Assaf Gavron: Auf fremdem Land. Aus dem Hebräischen von Barbara Linner. Luchterhand, München. 544 Seiten, 22,99 Euro