Kurator

Mit dem „Theater der Welt“ in 17 Tagen um die Erde

Das Festival kuratiert der Berliner Matthias Lilienthal

„Theater der Welt will Ihnen den unnötigen und lästigen Schlaf rauben – mit 25 Arbeiten an 17 Tagen“ – so kündigen die Veranstalter das renommierte Theaterfestival an, das für seine 13. Ausgabe in Mannheim Station macht. Kurator Matthias Lilienthal möchte mit seinem „Theater der Welt“ zwischen dem 23. Mai und dem 8. Juni auch den industriellen Wandel der Stadt in der Kurpfalz beleuchten. Das Festival des Internationalen Theaterinstituts wird vom Nationaltheater Mannheim ausgerichtet.

Lilienthal verriet noch nicht viel, kündigte aber zum Beispiel an, dass es auch eine sogenannte Beirut- und eine Kairo-Nacht geben werde. Dabei sollen neue künstlerische Positionen von heute Dreißigjährigen vorstellt werden. Der in Berlin lebende Regisseur Nicolas Stemann werde sich zudem mit der Bibel beschäftigen. Stemann ist regelmäßiger Gast beim Berliner Theatertreffen, zuletzt wurde er 2012 mit seiner achtstündigen „Faust I und II“-Inszenierung in der Hauptstadt gefeiert, legendär sind auch seine Uraufführungen von Texten der Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, bei denen Stemann gelegentlich mit Jelinek-Perücke selbst auf der Bühne stand. „Kein anderer Regisseur verbindet wie er in seiner Arbeit die Dekonstruktion von großen Texten zu einer Art Ideologie-Konzert“, schrieb Lilienthal.

Der Kurator wurde 2003 Intendant des Theaters Hebbel am Ufer (HAU) in Berlin, er verließ das Haus auf eigenen Wunsch nach neun Jahren und ging danach für einige Monate in die libanesische Hauptstadt Beirut. In Berlin rechneten viele mit einer Rückkehr des Theatermannes, er wurde als ein Kandidat für die Nachfolge von Volksbühnen-Intendant Frank Castorf gehandelt. Castorf hört im Sommer 2016 auf. Lilienthal, der in den 90er-Jahren als Chefdramaturg an der Volksbühne arbeitete, entschied sich anders: Er wechselt in die bayrische Landeshauptstadt, wird 2015 Intendant der Münchner Kammerspiele.

Ungewöhnliche Perspektiven, ein neuer Blick aufs Bekannte: Theater und Partys soll es während des Festivals auch an „brutalistischen Wohntürmen“ oder an „Autozubringern“ geben – Mannheimer Unorte. Lilienthal kündigte bis zu sechs Veranstaltungen an einem Abend an. „Wenn einem das eine Angebot nicht gefällt, kann man zur nächsten Veranstaltung gehen.“ Die Initiatoren von „Theater der Welt“ vergleichen das Festival mit einer Theater-Documenta. In der Regel werden seit 1981 alle drei Jahre „die innovativsten Entwicklungen des Theaters aus aller Welt“ präsentiert. „Theater der Welt“ wurde nach Stuttgart 2005, und Halle/Saale 2008 für die zwölfte Ausgabe 2010 in Essen und Mülheim wegen der Kulturhauptstadt Ruhr ein Jahr vorverlegt.