Konzert-Kritik

Ein TV-Entertainer zieht einmal andere Saiten auf

Klaas Heufer-Umlauf macht auch als Musiker gute Figur

Überraschenderweise ist die Band Gloria gar nicht schlecht. Sie spielen so einen melancholischen Gitarrenschrammelrock auf Deutsch. Nicht so abgründig wie Tocotronic, eher gefühlig wie Tomte früher. Überraschend gut ist die Performance eben, weil bei Gloria Klaas Heufer-Umlauf singt. Der macht mit Joko Winterscheidt Fernsehsendungen. Inzwischen sind sie bei ProSieben gelandet und fangen dort Kängurus, spielen Telefonstreiche oder fragen Menschen, die unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln am Tag der deutschen Einheit aus Berliner Clubs nachhause stolpern, warum sie denn keine Wendejacke tragen.

Aber auf der Bühne des Lidos steht kein Kalauer-Klaas, sondern ein Sänger mit seiner Band, die er mit Mark Tavassol von Wir sind Helden vor vier Jahren gegründet hat. Die Band spielt „Wie sehr wir leuchten“, typischer deutscher Indie-Gitarrenanschlag, rauf und runter mit der Hand, in der das Plektrum liegt, Snare-Drum immer auf die Und-Zählzeit. Die haben drei Gitarristen. Da ist also die Rauf-Und-Runnter-Gitarre, dann die Melodie-Ding-Ding-Dong-Gitarre und der dritte Gitarrist stimmt gerade sein Instrument. Klaas trägt ein Ramones-Shirt. Den ganzen Abend wird er in der gleichen Haltung dastehen. Die linke Hand wird für genau eine Stunde und zehn Minuten das Mikrofon am Ständer umschließen und die rechte das Stativ ein bisschen weiter unten umfassen.

Der Lyriker Heuder-Umlauf ist ein Wir-Poet, der alle mit einbeziehen will. Er singt von Kiez, von Straßen, von Häusern, jeder von Krefeld bis Hamburg, von Köln nach Berlin wird sich dort wiederfinden können. Gloria präsentieren sich als Indie-Rock-Band. Den Massenentertainer Heufer-Umlauf, den gibt es auf der Bühne nicht mehr. Er bedankt sich, wie einer der das erste Mal auf Bühnen steht, nämlich ganz oft, weil er es gar nicht fassen kann, wie sehr ihn das Publikum mag, wie sehr die fast fünfhundert Leute die Songs mögen, die sie da oben spielen.

„Warten“, die erste Single, zieht wie ein sandiger Wüstenwind durch die Halle. Schon bei der Ankündigung des Songs hört man wieder Jubel über Jubel. Klaas ist wahrscheinlich derzeit einer der beliebtesten Deutschen überhaupt. Sie haben einen Gloria-Song genommen und als Hintergrund-Musik verwendet in der Sendung: „Eigenes Berlin“. Klaas erzählt, dass der eine Drehort von „Berlin -Tag und Nacht“ ein Boot in der Nähe von dem Fernsehstudio wäre, wo er auch arbeiten würde, und dass da jetzt immer Touristen herkämen, um das Hausboot zu fotografieren. Die Kinder dieser Touristen würden mindestens zwei Liter Energydrinks trinken. Der Arzt stellt dann Hyperaktivität fest und es gibt endlich Ritalin. Klaas erzählt gern solche Geschichten an diesem Abend. Und bevor sie ein Stück spielen, das es nicht auf dass Album geschafft hat, meint er noch, man könne das Album heute Abend zurückgeben und Klaas’ Mutter würde einem eine neue CD brennen. Aber wenn er dann wieder am Mikro steht, das Lachen vorbei ist und Gloria einfach nur Musik machen, dann sind die wirklich ganz gut.