Französischen Filmwoche

Das französische Kino liebt die Frauen ganz besonders

Zeit für Entdeckungen: Filmwoche startet im Cinema Paris

Das Kino liebt die Frauen und das französische liebt sie ganz besonders. Kaum eine Filmnation, die eine solche Vielfalt an Leinwandgöttinnen hervorgebracht hat wie unsere Nachbarn jenseits des Rheins. Einige von ihnen gibt es ab Donnerstag in der Französischen Filmwoche zu bewundern und praktischerweise sind die Filme oft gleich nach ihren Heldinnen benannt. „Violette“ etwa erzählt von einer Frau, die sich ein Leben lang verkannt fühlt, bis sie kurz nach dem Krieg Simone de Beauvoir kennenlernt, die sie zum Schreiben ermuntert und Violette Leduc zur spät berufenen Schriftstellerin wird. Die junge „Suzanne“ begehrt gegen ihren Alltag auf und brennt mit einem halbseidenen Typen durch. Und die lebenslustige „Gabrielle“ singt in einem Chor für Menschen mit Behinderung, wo sie sich gegen alle Vorbehalte in einen jungen Mann verliebt.

Die regierende Kinokönigin Frankreichs beehrt Berlin gar persönlich. Catherine Deneuve wird am Freitag im Arsenal eine Hommage aus Anlass ihres 70. Geburtstags eröffnen, am Tag danach wird sie im Haus der Berliner Festspiele mit dem Europäischen Filmpreis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Auf dem Filmfest beweist die Filmdiva in ihrer jüngsten Rolle, dass sie alles andere als zum alten Eisen gehört. Im Gegenteil: sie ist besser im Geschäft denn je. In „Madame empfiehlt sich“ triumphiert sie als schrullige Aussteigerin. Zuerst setzt sie sich nur ins Auto, um Zigaretten zu holen. Aber dann stellt diese unsere in die Jahre gekommene Heldin fest, dass sie keine Lust mehr auf ihr altes Leben hat. Also haut sie ab, wagt noch mal ein Abenteuer. Deneuve spielt mit ihrem Image als Grande Dame des frankophonen Films, dass es eine wahre Freude ist und tuckert in einem alten Auto recht ziellos durch die Provinz und trifft dabei auf allerlei skurrile Gestalten.

Ein Publikumsmagnet wie „Ziemlich beste Freunde“, der 2011 das Festival eröffnete und 2012 mit neun Millionen Zuschauern der erfolgreichste Film des Jahres in Deutschland wurde, fehlt diesmal. Aber mit dem Eröffnungsfilm „Beziehungsweise New York“ hat man zumindest die Fortsetzung der erfolgreichen Filmreihe um eine Gruppe europäischer Austauschstudenten, die sich 2003 in „Barcelona für ein Jahr“ kennenlernten, drei Jahre später gab’s ein „Wiedersehen in Sankt Petersburg“ und nun, mit Ende 30, treffen sie in New York erneut aufeinander. Regisseur Cédric Klapisch und Hauptdarsteller Romain Duris kommen zur Premiere. Und auch zum Abschlussfilm „Molière auf dem Fahrrad“ wird Filmstar Lambert Wilson erwartet.

Die Veranstalter haben auf die Kritik der letzten Jahre gehört, in denen das Festival nur Filme zeigte, die bereits einen deutschen Verleiher hatten und so mehr und mehr zu einer Werbeplattform für bevorstehende Kinostarts wurde. In diesem Jahr erweist sich die Filmwoche wieder als Entdeckerin unbekannter Stoffe, immerhin acht der 35 Filme haben bislang bei uns noch keinen Verleih. Und aus noch einem Grund lohnt sich der Besuch. Es könnte eine der letzten Gelegenheiten sein, das Cinema Paris am Kudamm zu besuchen. Denn durch die drohende Schließung des Kulturzentrums Maison de France, in dem sich das Kino befindet, ist auch dessen Fortbestand gefährdet.