Geldnot

Jüdisches Theater sieht sich in seiner Existenz bedroht

150.000 Euro fehlt der Spielstätte im Admiralspalast

Am kommenden Freitag geht es im Hauptausschuss um die Dinge, über die sich die Abgeordneten bislang nicht einigen konnten. Es liegt in der Natur der Sache, dass dieser Tag der Tag der unangenehmen Wahrheiten sein wird. Ein Punkt aus der Kultur steht auch auf der Tagesordnung. Hierbei geht es um die finanzielle Ausstattung des Jüdischen Theaters. Am Dienstag schickte das Jüdische Theater eine Pressemitteilung heraus, die vorab auf seine schwierige Lage hinwies und in der es mit der Schließung drohte. Und zwar, wie die Pressesprecherin auf Nachfrage ergänzt, „bis zum Ende des Jahres“.

Das Jüdische Theater ist im Admiralspalast an der Friedrichstraße ansässig. Seit Ende 2011 hat es dort eine Heimstätte gefunden. 250.000 Euro stehen dem Theater bislang zur Verfügung, 150.000 Euro stammten von der Deutschen Klassenlotterie Berlin (DKLB), die anderen 100.000 Euro bewilligt die Stadt Berlin. Seit 2012 erhält es diese Summe, Jahr für Jahr. Problematisch sind hingegen die 150.000 Euro, die nun die Stadt anstatt der DKLB zusätzlich aufbringen soll.

In der Pressemitteilung heißt es, dass die „Weiterfinanzierung von vereinzelten CDU-Abgeordneten blockiert“ wird. Namentlich genannt wird Florian Graf. Bei der CDU wiederum zeigt man sich „irritiert“ über den Vorstoß des Jüdischen Theaters, schließlich habe CDU-Fraktionschef Graf in der vergangenen Woche einen Brief erhalten, in dem sich Manfred Kloss, Vorstandsvorsitzender des Jüdischen Theaters, bei ihm bedankt: „Ich weiß, dass Sie ein Befürworter des Jüdischen Theaters sind und uns schon bei der DKLB unterstützt hatten.“ Der Brief liegt der Berliner Morgenpost vor.

Aus Kreisen der SPD heißt es, dass Bürgermeister Klaus Wowereit und Kulturstaatssekretär André Schmitz kein Freund einer zusätzlichen Finanzierung seien. Insbesondere ist es nicht ausgemacht, wie finanzierungswürdig die Stätte unter rein kulturellen Gesichtspunkten ist. Auf der anderen Seite fürchten Abgeordnete den Konflikt mit dem Jüdischen Theater, gerade in dem Jahr, in dem die Stadt den Novemberpogromen mit dem Themenjahr „Zerstörte Vielfalt“ gedenkt. Wenn es bis zum Donnerstag zu keiner Einigung kommen würde, so das Jüdische Theater, könne es den Spielbetrieb nicht mehr aufrechterhalten und müsse das „Schauspielerensemble zum Arbeitsamt schicken“.