Gedenken

Abschied von einem deutschen Chronisten: Peter Kurzeck ist tot

Er war ein „writer‘s writer“. Ein Fall für die literarischen Feinschmecker. Peter Kurzeck, der am 10. Juni 1943 im böhmischen Tachau geboren wurde und am Montag im Alter von 70 Jahren in Folge mehrerer Schlaganfälle starb, hat ein großes Publikum nicht erreichen können.

Zu wenig romanhaft, zu wenig handlungsbetont waren seine Texte. Sie lebten ganz aus einem originell minimalistischen Stilwillen sowie aus dem Impuls, durch die Versenkung in das Provinzleben eine Chronik bundesrepublikanischen Bewusstseinswandels zu destillieren.

Vorlage war die hessische Provinz, war aber auch Frankfurt am Main. Kurzeck verstand sich dabei als eine Art teilnehmenden Beobachter, insofern sind seine Werke immer auch stark autobiografisch geprägt. Zuletzt arbeitete er an seinem Projekt „Das alte Jahrhundert“, das auf zwölf Bände angelegt war. Den fünften Band, „Vorabend“, konnte der Schriftsteller noch vollenden. Er erschien im Jahr 2011.

In seinen autobiografischen Büchern versuchte er, die zerrinnende Zeit festzuhalten: Auf Spaziergängen durch Frankfurt oder durch Staufenberg bei Gießen, wo er seine Kindheit und Jugend verbrachte. „Mir geht es darum, die Vielfalt der Welt zu bewahren“, sagte der detailbesessene Schreiber, den manche in die Erzähltradition eines Marcel Proust stellten, kurz vor seinem 65. Geburtstag. „Ich hatte von Kind an den Zwang, ich darf nichts vergessen.“

Wo immer Peter Kurzeck persönlich auftrat und seine Texte zu Gehör brachte, bezauberte er die Zuhörer. Auch die Kritik war dem Schriftsteller gewogen. Er wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Alfred-Döblin-Preis(1991), dem Preis der Literaturhäuser (2004) oder dem Grimmelshausen-Literaturpreis (2011).

Gelegenheitsjobs und Alkohol

Mit 14 begann er eine kaufmännische Lehre, später arbeitete er für die US-Armee. Er reiste durch Europa und ließ sich 1977 in Frankfurt nieder, wo er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hielt, um schreiben zu können. Viele Jahre war er Alkoholiker. Erst Ende der 80er Jahre konnte er von seinen Büchern leben. Einige Zeit im Jahr verbrachte er von da an in Südfrankreich. Seine Bücher sind eng mit seinem Leben verbunden. Sein erster Roman „Der Nußbaum gegenüber vom Laden, in dem du dein Brot kaufst“ erschien 1979.

Nun ist er selbst Teil der literarischen Erinnerung geworden. Bei denen, die ihm zu Lebzeiten auf seinen ausgeschilderten schreiberischen Wanderpfaden gefolgt sind, wird diese Erinnerung noch lange leuchten.