Konzert

Glücklich in der eisigen Berliner Nacht

Es gab viel Neues zu hören von Katie Melua im Tempodrom. Vieles klang vertraut, einfach schön

Einfach schön. Alles klingt so sauber, so eingängig, so ordentlich. Gefällig geradezu. Die Stimme klar und rein. Die Stimmung eine seltsame Mischung aus Melancholie und Ausgelassenheit. Kein Platz für schlechte Laune. Aber dafür für viel Gefühl. Dass das Ganze dennoch nicht zu purem Kuschelpop verkommt, liegt an Charme und Ausstrahlung der Sängerin Katie Melua. Und ihrer Kunst, die positiven Seiten des Lebens in den Mittelpunkt ihrer Songs zu stellen, ohne je kitschig zu werden dabei.

Im mit rund 2000 Besuchern gefüllten Tempodrom stellte die schöne Georgierin aus London am Montagabend die Songs ihres neuen Albums „Ketevan“ vor. Und machte die eisige Kälte draußen vor der Halle bald vergessen. Vier große Studioscheinwerfer spenden später Dämmerlicht oder blenden gleißend das Auditorium. Mit „Belfast (Penguins and Cats)“ vom vor zehn Jahren erschienenen Debütalbum „Call Off The Search“ eröffnet Katie Melua ganz allein mit ihrer Gitarre diese rund 90 pausenlosen Minuten. Shirley Basseys Bond-Song „Diamonds Are Forever“ gibt es als zweites Stück, zurückhaltend interpretiert und nur von Gitarre und Kontrabass begleitet. Beim Canned-Heat-Cover „On The Road Again“ erscheint mit Keyboards, E-Gitarre und Schlagzeug der Rest der Band auf der Bühne. Katie Melua versucht sich verstärkt an Jazz-Phrasierungen. So richtig Swingen will es nicht.

Es gibt viel Neues zu hören. Das allerdings klingt irgendwie höchst vertraut. Gleich acht neue Stücke sind das Herzstück ihres aktuellen Live-Programms. Daran mag es liegen, dass es länger dauert, bis das Publikum endlich auftaut. Dabei hat Katie Melua einige durchaus überzeugende neue Lieder mitgebracht. Die 29-jährige Sängerin und Songschreiberin spielt „Love Is A Silent Thief“, ein Stück, das sie gemeinsam mit Mike Batt geschrieben hat. „The Love I'm Frightened Of“ ist eine wunderschöne, typische Melua-Ballade. „Shiver And Shake“ wiederum macht Tempo und kommt für Melua-Verhältnisse recht bluesrockig daher.

Mit „Ketevan“, ihrem sechsten Album, hat Katie Melua das tiefe Tal der Langeweile, durch das sie mit ihrem vorigen Album „Symphonies“ geschritten ist, erfolgreich überwunden. Ihr Entdecker, Manager, Label-Chef, Produzent und väterlicher Freund Mike Batt, der sich bei den letzten beiden Platten etwas zurückgezogen hatte, ist im Studio wieder als Steuermann an Bord und hat Katie Melua auf Kurs gebracht. Wenn sie ihre Songs ansagt, redet sie ein gepflegtes Englisch von adretter Vornehmheit. Und wenn sie singt, verweigert sie sich jeglicher Weinerlichkeit der westlichen Welt. Selbst wenn es um unerfüllte Liebe geht, klingt immer dieses Fünkchen Hoffnung zwischen den Zeilen, auf das es zu vertrauen gilt.

Natürlich weiß sie auch, dass das Publikum wegen ihrer Hits gekommen ist. Und die gibt es denn auch in der zweiten Hälfte dieses routiniert einstudierten Abends. Von „Call Off The Search“ über „My Aphrodisiac Is You“ und „The Closest Thing to Crazy“ bis zu „Nine Million Bicycles“, ihrem bislang größten Erfolg, zum Finale. Überwältigt scheint sie von dem hingebungsvollen Applaus, der nun aufbrandet. Und schickt das Publikum mit dem bewegenden Song „I Cried For You“ als letzte Zugabe – wieder ganz allein zur Gitarre – dann doch glücklich und zufrieden in die kalte Berlin Nacht. Und die fühlt sich nach diesem Konzert gar nicht mehr so kalt an. Schön halt. Einfach schön.