Theater-Kritik

Elektra tanzt auf einer Revuetreppe im Deutschen Theater

The Show must go on. Das Morden auch.

Die Show ist ein unumstößliches Regie-Prinzip von Stefan Pucher, der keinen Text auf die Bühne lässt, ohne ihm seinen typischen popdramatischen Stempel samt cineastischen Breitbandvideos aufzudrücken. Auf der Bühne des Deutschen Theaters nun verbindet sich alles in Gestalt eines Racheengels im Nadelstreifen-Frack, der auf einer Revue-Treppe Mordlust schürt, derweil auf den Leinwänden im Hintergrund schon die Axt geschwungen wird und nach bester Splatter-Movie-Manier das Blut spritzt.

Stefan Pucher hat sich die sophokleische „Elektra“ zur Brust genommen. Katharina Marie Schuberts Elektra ist kein tieftrauriges Leidensmädchen, die ist aufrecht, trotzig und stinksauer: „Hass ist mir seit langem eingeprägt.“ Der richtet sich vor allem gegen die Mutter Klytaimestra, die bei Susanne Wolff aber auch ein derartig bissiges Frauenzimmer abgibt, dass man es Elektra nicht verdenken kann. Auf die Hilfe des treu-naiven Schwesterleins (Tabea Bettin im blauen Cinderella-Märchenkleid) kann sie bei ihrem Mordsplan nicht bauen, also soll Bruder Orestes (Felix Goeser) es richten. Dieser ganze Abend hatte leider nicht mehr zu bieten als plätschernden Elektra-Pop, zu dem man partout nicht tanzen möchte.

Deutsches Theater, Schumannstr. 13a, Mitte. Tel. 28441225 Sonntag, 18 Uhr