Kunstsammlung

„Freiwillig gebe ich nichts zurück“

Sammler Cornelius Gurlitt will die 1400 Kunstwerke behalten. Die Justiz stelle „alles falsch dar“

„Ich bin doch etwas ganz Stilles. Ich habe doch nur mit meinen Bildern leben wollen.“ So zitiert „Der Spiegel“ den Münchner Sammler Cornelius Gurlitt. Der wünscht sich die Stille und den Deckmantel des Schweigens zurück, unter deren Schutz er jahrzehntelang gelebt hatte. Doch seit zwei Wochen kann es keine Stille mehr geben. Gurlitt steht im Mittelpunkt einer NS-Raubkunst-Affäre, die weltweit Medienecho erzeugt. Jetzt hat sich der 80-Jährige gegenüber dem Nachrichtenmagazin erstmals ausführlich öffentlich geäußert. Danach will der Besitzer des Münchner Kunstschatzes alle Bilder behalten. „Freiwillig gebe ich nichts zurück“, sagte er. Gurlitt weist alle Vorwürfe gegen ihn zurück. Die gut 1400 Kunstwerke, die in seiner Wohnung sichergestellt wurden, habe sein Vater rechtmäßig erworben. Die Justiz und die Öffentlichkeit stellten „alles falsch dar“. Der Staatsanwaltschaft habe er schon genug Belege geliefert, die ihn von jedem Verdacht entlasteten, betonte der Sohn des Nazi-Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt.

Die Justiz ermittelt gegen ihn wegen Steuerhinterziehung und Unterschlagung. Dem „Spiegel“-Bericht zufolge lehnt Gurlitt Gespräche mit den deutschen Behörden nicht ab. Von der öffentlichen Debatte um ihn zeigt er sich aber schockiert: „Ich bin doch nicht Boris Becker, was wollen diese Menschen nur von mir?“ Die Beschlagnahmung der Bilder kommentiert er mit den Worten: „Die hätten doch warten können mit den Bildern, bis ich tot bin.“ Die Familiensammlung, die ihm per Erbe zugefallen war, sei sein Lebensinhalt gewesen: „Mehr als meine Bilder habe ich nichts geliebt“, sagt Gurlitt.

Eines wird deutlich: Cornelius Gurlitt scheint über die Jahrzehnte tatsächlich ein geradezu parasoziales Verhältnis mit den Kunstwerken in seiner Wohnung gepflegt zu haben: „Jetzt sind die Bilder irgendwo in einem Keller, und ich bin allein.“ Auch die Tatsache, dass Gurlitt im Herbst 2011 Max Beckmanns „Löwenbändiger“ bei Lempertz eingeliefert hat, und nicht Max Liebermanns „Reiter am Strand“ – ein Werk, das seit Jahren in der Datenbank „Lost Art“ verzeichnet ist – scheint purer Zufall gewesen zu sein. Er, Gurlitt, habe den Liebermann nicht von der Wand abbekommen.

Nach Informationen des „Focus“ wiederum arbeiten das Kanzleramt und die bayerische Justiz in diesen Tagen gerade an einem Deal: Demzufolge will man Cornelius Gurlitt dazu bewegen, die Bilder, von denen 590 als mögliche NS-Raubkunst gelten, freiwillig dem Staat zu überlassen. Im Gegenzug könne das Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung und Unterschlagung eingestellt werden. Eine „Vertrauensperson“ solle an Gurlitt herantreten und an seine Verantwortung appellieren.