Ausstellung

Im Krieg verschollene Gemälde

Eine Ausstellung in der Villa Oppenheim zeigt die Überreste von Hugo Raussendorffs Charlottenburger Kunstsammlung

Unweit von den Museen Berggruen, Bröhan und der Sammlung Scharf-Gerstenberg entfernt liegt noch ein kleiner, feiner Bilderhort: die Villa Oppenheim. Seit ihrer Eröffnung im vergangenen Jahr ist dort die Kunstsammlung Charlottenburg mit Werken von Berliner Secessionisten und anderen beheimatet. Nicht alle stammen von prominenten Händen wie von Hans Baluschek, Max Liebermann, Walter Leistikow oder Adolph von Menzel, aber dann könnte man auch nichts Neues entdecken.

Die „Spurensuche“, zu der das Museum jetzt einlädt, ist spannend. Sie blickt weniger auf die Stadtgeschichte: Charlottenburg war selbstständig, bis es 1920 in Groß-Berlin eingemeindet wurde, als auf die Schicksale einzelner Werke. Vieles, was zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch Schenkungen und Anschaffungen zusammen kam, zerstreute sich durch die Kriegswirren auf Nimmerwiedersehen. Doch einiges wurde auch wiederentdeckt wie die „Friesische Braut“ im Museum Kunst der Westküste auf Föhr.

Sabine Meister, die Kuratorin der Ausstellung „Die Kunstsammlung Charlottenburg 1908-1945“, hat viel Basisarbeit geleistet, um dem Verbleib der rund 450 Arbeiten nachzuspüren. Manche schmückten in der Vergangenheit das Rathaus, andere sind bis heute verschollen. Auf ein Viertel der Werke ist die Sammlung, die auf das Engagement von Bürgern wie Hugo Raussendorff (1832-1908) zurückgeht, der sein Erbe der Stadt stiftete, geschrumpft.

Ein Ausschnitt lässt sich nun in der Villa betrachten: Wilhelm Ottos Bronze „Mutter und Kind“ (um 1918), Franz Skarbinas leuchtende Belle-Époque-Schilderung „Kurpromenade in Karlsbad“ oder Menzels Schelmenstück „Erinnerung an den Einzug des Kronprinzenpaares“ von 1858. Anlässlich der Hochzeit des Kronprinzen Friedrich Wilhelm malte er nicht etwa eine repräsentative Ansicht, sondern eine Randbeobachtung. Seine genrehafte Anekdote in Öl zeigt einen Zylinder schwenkenden Zaungast, der auf einen Baum klettert, was mit Gefängnis nicht unter 14 Tagen bestraft wurde. Der Gedanke, Bildende Kunst zu fördern, war kurz nach der Wende zum 20. Jahrhundert noch keine Selbstverständlichkeit. Doch gab es ähnlich wie heute Privatsammler, die mit Gemälden lebten und als Mäzene wirkten.

Die 1899 gegründete Berliner Secession ließ sich im betuchten Charlottenburg nieder und fand ab 1908 in der Deputation für moderne Kunst der Stadt ebenfalls Ankäufer. Am Kurfürstendamm hatte auch der erfolgreiche und mäzenatisch tätige Kaufmann Raussendorff seine Villa samt seiner vierzehntäglich öffentlich zugänglichen Kunstsammlung.

Nach seinem Tod ging diese Kollektion in den Besitz der Stadt über und wurde regelmäßig ausgestellt, 1934 sogar im Reichstag. In der Villa Oppenheim sind einige der Gemälde und Skulpturen wieder zu sehen. Natürlich entsprechen die Räume im Obergeschoss keinem Kunstmuseum und man kann auch nicht der Stiftung Stadtmuseum Konkurrenz machen, aber die ersten Forschungsergebnisse und die Bilderauswahl geben doch einen schönen Einblick in ein Stück Berliner Kunstgeschichte.

Deren Sichtung ist noch nicht abgeschlossen, wie die Präsentation zeigt. Von manchem Künstler sind nicht einmal die Lebensdaten bekannt, im Dritten Reich zerstörte Biografien wie die von Alfred Helberger sind aufzuarbeiten. Für Provenienzforschung hat man in dieser Einrichtung des Bezirksamtes zwar keine zusätzlichen Mittel, aber die Rekonstruktion der Sammlung nimmt unter der Leitung Elke von der Lieths trotzdem Gestalt an. So treten vergessene Künstler und ihre Werke wieder ins Bewusstsein.

Villa Oppenheim, Schloßstr. 55, Charlottenburg. Bis 30. März Di-Fr. 10-17 Uhr, Sa/So 11-17 Uhr. Kuratorenführung 17.11., 12 Uhr (kostenfrei)