Klassik-Kritik

Dirigent Manfred Honeck tanzt eine Sinfonie vor

Ein wunderbarer Konzertabend, auch durch das herzensgute Programm, mit dem sich die Philharmonie unter der Woche ausverkaufen lässt.

Dabei fällt das erste Stück andauernd aus der Rolle, es findet einfach keinen Stil. Aber genau das wollte Alfred Schnittke in „(K)ein Sommernachtstraum“ von 1984/85. Der Traum klingt alt und neu, mal nach Shakespeares, mal nach Schnittke. Ein Stück voller Purzelbäume. Mag sein, dass das in seiner Orchesterseele sehr ernsthafte Deutsche Symphonie-Orchester keinen Schalk im Nacken oder auf den Notenpulten sitzen hat. Dirigent Manfred Honeck lässt das Narrenstück vollmundig und elegant auserzählen.

Voller Bodenständigkeit betritt danach Leif Ove Andsnes die Bühne. Möglicherweise hacken norwegische Pianisten, die im Ländlichen leben, daheim ihr Brennholz noch selbst. Leif Ove Andsnes hat den frühen Beethoven-Klotz, das zweite Klavierkonzert, zielsicher vor Augen. Er weiß genau, wo er ihn zerteilen und die Scheite aufschichten muss. Alles ist klar strukturiert und sortiert. Er ist ein Virtuose voller Klarheit. Bassläufe kommen wie selbstverständlich, da sprudelt nichts aus der Tiefe des Herzens hervor. Der Pianist dreht auch keine Wendungen um, ob sich vielleicht irgendwo ein Geheimnis verbergen sein könnte. Leif Ove Andsnes hat das klassische Augenmaß und damit zweifellos das Publikum auf seiner Seite, er unterhält, führt Beethovens Nähe zu Mozart vor und verführt damit. Manfred Honeck lässt das Orchester noch einige Girlanden schwungvoll darum legen. Der Applaus ist allen sicher.

Aber erst in der zweiten Hälfte kommt die große Besetzung zum Zuge. Antonin Dvoraks neunte Symphonie steht auf dem Programm, jene „Aus der Neuen Welt“. Der gebürtige Wiener Honeck, der inzwischen auch Musikdirektor des Pittsburgh Symphony Orchestra ist, setzt auf eine ansprechende Mischung aus amerikanischer Prärie und böhmischen Wäldern. Das Orchester fällt von einer schönen Episode in die nächste. Wer will, kann an Indianergeschichten glauben. Das DSO findet seinen eigenen Erzählstil, der lebensprall und voller Atem ist. Dazu gehört auch der vortanzende Dirigent im Scherzo. Das Publikum ist hingerissen.