Kinderoper

Der Kaiser und sein First Dog

Die Komische Oper zeigt Milos Vaceks Märchenoper als wunderbar überdrehte Kinderrevue

Monarchistische Bestrebungen gibt es an der Komischen Oper. Anders ist der Menschenauflauf, als der Kaiser anschließend im Foyer empfängt, nicht zu deuten. Gerade die junge Generation, und es geht schon bei den Sechsjährigen los, fühlt sich zu ihm hingezogen, will unbedingt ein Autogramm. „Des Kaisers neue Kleider“ heißt die neue Kinderopern-Produktion, es ist wieder eine rundum gelungene Premiere im großen Haus.

Nun kennt jeder Hans Christian Andersens Märchen über Lüge, Selbstbetrug und Eitelkeit. Aber diesen Kaiser Maximilian von Eitelstein, den Carsten Sabrowski in Milos Vaceks Singspiel gekonnt überdreht vorführt, muss man einfach mögen. Nackt macht er sich in der Oper nie, der Modenarr trägt Designerunterwäsche. Und an seiner Seite gibt es jemanden, der in seiner Verschwiegenheit viele Sympathien weckt. „Haustiere sind eine wichtige Macht“, schrieb ein Washingtoner Politikprofessor kürzlich über Präsidenten-Tiere. Irgendwann gegen Ende der Opernvorstellung ist die Unruhe bei manchen Eltern im Parkett, Reihe 9 zu spüren: Sie ahnen, dass sie zuhause von ihren Kindern bedrängt werden, die auch so einen Hund haben wollen. Der First Dog von Kaiser Eitelstein ist ein Zwergspitz. Im Programmheft ist die Rolle „Des Kaisers Hund" mit Nala ausgeschrieben. Nala sei diesmal sehr aufgeregt gewesen, heißt es hinter den Kulissen. Etwa Lampenfieber? In der Premiere zeigte sie sich auf professionelle Weise zuckersüß.

Als Seelenfängerei ist es verschrien, wenn Theaterleute niedliche Kinder und Tiere in Inszenierungen einbauen. Regisseurin Lydia Steier bekommt beides hin, ohne dass das Publikum sich korrumpiert fühlt. Die ganze Aufführung, die immerhin gut zwei Stunden dauert, ist schließlich auch ein mutiges Projekt: Wer kennt hierzulande schon den tschechischen Komponisten Milos Vacek? Seine von Uwe Sandner dirigierte Musik erinnert stark an alte tschechische Kinderfilme. Sein Singspiel von 1962 durfte aber in sozialistischen Zeiten nie aufgeführt werden, die Anspielungen waren zu offensichtlich. Es geht um verlogene Hofschranzen, einen verblendeten Herrscher, um unterschiedliche Lebenswelten von Hof und Volk. Der Hofmeister, köstlich ausgespielt von Philipp Meierhöfer, ist gar als Spitzel unterwegs.

Die verspätete Uraufführung an der Komischen Oper setzt auf eine schrille Kinderrevue, die den kunterbunten Schein pflegt. Am Ende wird sogar der arme Kaiser getröstet - und nicht erst im Foyer von seinen Anhängern.

Komische Oper, Behrenstr. 55-57, Mitte. Tel. 47997400 Termine: 17.10., 1., 5., 26., 28.11., 8., 11., 18., 26.12.