Urteil

Für Suhrkamp geht es – mal wieder – um alles

Wird ein Gesellschafter ausgeschlossen? Heute entscheidet in Frankfurt das Landgericht

Hans Barlach ähnelt König Pyrrhus I. So wie der Herrscher von Epirus, der den Römern eine Niederlage nach der anderen zufügte, eilt der Suhrkamp-Minderheitseigner von Sieg zu Sieg. Sein Schlachtfeld ist der Gerichtssaal. Dort aber konnte er seine Widersacherin, die Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz, schon beachtlich oft bezwingen. Allein: Es waren jedes Mal teuer erkaufte Erfolge, die den Hamburger Unternehmer seinem Ziel, der (Mit-)Herrschaft über den Literaturverlag, bislang nicht wirklich näher gebracht haben. Es sind Barlach-Siege. „Teilerfolge“, wie es so schön heißt. Den Krieg droht er trotzdem zu verlieren.

Entschieden wird an diesem Mittwoch die Frage, ob Barlachs Mitgesellschafterin, die Familienstiftung von Ulla Unseld-Berkéwicz, aus dem Suhrkamp-Verlag ausgeschlossen wird. Die beiden Eigner werfen sich wechselseitig geschäftsschädigendes Verhalten vor. Verhandelt wird vor dem Landgericht Frankfurt, 3. Kammer für Handelssachen. Der Vorsitzende Richter Norbert Höhne hatte sich bereits im Februar mit dem Fall beschäftigt und damals bemerkt: „Beide Gesellschafter sehen sich offenbar wechselseitig als Inkarnation des Bösen“. Er ist also gut im Thema drin.

Richter Höhne hatte den Kombattanten Anfang des Jahres eine Gnadenfrist eingeräumt und ihnen sieben Monate Zeit gegeben, sich gütlich zu einigen. Bekanntlich ist daraus nichts geworden: Statt sich zusammenzuraufen, sind Barlach und Unseld-Berkéwicz zerstrittener denn je. Der Verlag meldete, angetrieben von Siegfried Unselds Witwe, Insolvenz an. Einen Insolvenzplan gibt es schon. Er sieht vor, den Verlag von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Damit würde Barlach zahlreiche Sonderrechte verlieren, die er sich in den vergangenen Jahren ausverhandelt hatte. Die Amtsrichterin in Berlin-Charlottenburg hat dem Insolvenzplan bereits zugestimmt. Wenn die Gläubiger es ihr auf ihrer Versammlung in den kommenden Wochen nachtun, wäre Barlachs Schicksal wohl besiegelt.

Es ist diese Entscheidung der Berliner Amtsrichterin Mechthild Wenzel, die Barlachs zahlreiche Erfolge vor Gericht zu Pyrrhus-Siegen hat werden lassen. Denn Barlach gewinnt immer nur die gesellschaftsrechtlichen Prozesse. Die müssen aber nach aktueller Rechtsprechung die insolvenzrechtliche Auseinandersetzung überhaupt nicht beeinflussen. Denn das Insolvenzrecht, nach dem der Suhrkamp Verlag behandelt wird, ist noch so neu, dass es zu Wechselwirkungen mit etwaigen gesellschaftsrechtlichen Urteilen bislang keine höchstrichterlichen Entscheidungen gibt.

Nun allerdings kann Barlach darauf hoffen, dass Richter Höhne ihm die Möglichkeit gibt, eine Brücke zu dem Insolvenzverfahren zu schlagen. Sollte der Vorsitzende der Frankfurter Handelskammer ein Urteil fällen, dass positiv für Barlach ausfällt, bleibt Unseld-Berkéwicz zwar die nächste Instanz. Aber möglicherweise fällt der Richter ein Urteil, das gegen Hinterlegung einer Sicherheitsleistung vorläufig vollstreckbar ist. „Wenn es so kommt, würden wir alles tun, um das Urteil zu vollstrecken“, sagt Hans Barlach. „Sollte es zum Ausschluss der Familienstiftung kommen, würden wir diese entschädigen und die berechtigten Gläubiger der Gesellschaft sofort befriedigen.“ Gut möglich, dass dann das Insolvenzverfahren für den Suhrkamp Verlag rasch beendet wäre.

Sollte entweder die Familienstiftung von Unseld-Berkéwicz oder die Medienholding von Barlach aus dem Suhrkamp-Verlag ausgeschlossen werden, müsste die unterlegene Seite abgefunden werden. Während der mündlichen Verhandlung hatte Richter Höhne den „mittleren Unternehmenswert“ von Suhrkamp auf 20 Millionen Euro taxiert. Auf dieser Basis müssten für den 61-Prozent-Anteil der Familienstiftung 12,2 Millionen Euro und für den 39-Prozent-Anteil der Medienholding 7,8 Millionen Euro gezahlt werden.