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Neue TV-Serie: Rächer im Kapuzenpulli

In „Arrow“ kämpft der Held mit Pfeilen gegen das Böse

Als Oliver Queen nach fünf Jahren von einer einsamen Insel im chinesischen Meer zurückkehrt, verkündet sein Freund Tommy auf einer Party, die Protagonisten von „Lost“ seien mittlerweile alle irgendwie tot. Da lachen die Umstehenden, Queen aber nicht. Später gibt es einen Witz über „Twilight“, und auch dieses popkulturelle Ereignis hat der Insel-Überlebende schlicht verpasst. Die Jahre im unfreiwilligen Exil haben den Mann geformt. Als einziger Überlebender eines Yachtunglücks musste er lernen, dass Reichtum nicht immer zählt. Es ist eine verkehrte Robinsonade: Oliver Queen, der verwöhnte Milliardärssohn, ist der unwissende Freitag, und ein Chinese im grünen Wams der erfahrener Bildungsbürger. In einer Folge von „Arrow“ bekommt der hungrige Amerikaner einen lebenden Vogel im Käfig vorgesetzt. Der Jäger hat sich sein Essen längst gegrillt, als das Großstadtkind noch das lebende Tier beäugt. Alles barmen hilft nicht. Vor dem Essen muss getötet werden.

Oliver Queen (Stephen Amell) lernt noch vielerlei Dinge auf der Insel, Kampfkunst gehört dazu, vor allem das Bogenschießen. Denn die Haupthandlung der Serie „Arrow“ handelt davon, wie der Mann nach seiner Rückkehr nach Starling City als grüner Bogenschütze das Böse bekämpft. Mit Methoden, die er bei der Essensbeschaffung gelernt hat. Gleich in der ersten Folge bricht Queen einem Meuchler geräuschvoll das Genick. Auch sonst geht der Rächer mit den Verderbten nicht eben zimperlich um. Queen zeigt: Kapuzenpullover symbolisieren nicht bloß den Aufbruch im Silicon Valley, sondern auch den Antikapitalismus der Superhelden. Sehenswert ist die Serie, weil sie auf feine Art verschiedene Handlungsebenen verknüpft. Die Erlebnisse Oliver Queens auf der dann doch nicht so einsamen Insel korrespondieren mit seinen Taten in Starling City. Das Verfahren kennen ältere Zuschauer noch aus der legendären Serie „Kung Fu“. Es geht um Läuterung und Schuld, um Vigilantentum und Freiheit. Dass die ursprünglich radikalen Mordabsichten Queens nicht ganz okay sind, bringt ihm sein Leibwächter und Mitstreiter bei, ein Afghanistan-Veteran (David Ramsey).

Das Figurengeflecht ist von Abhängigkeiten geprägt. Die junge Anwältin Laurel (Katie Cassidy) war früher mit Oliver liiert, der hatte sie mit ihrer Schwester betrogen, die bei dem Schiffsunfall starb. Ihr Vater ist Polizist und ermittelt gegen den maskierten Rächer. Laurel hatte ein Verhältnis mit Tommy, Olivers bestem Freund. Der Held selbst ist ein einsamer Jäger ebenso wie ein verirrter Träumer, ein Taliban mit amerikanischem Gerechtigkeitssinn. Hinter allem Übel steckt zudem noch eine Verschwörung, in der die Queen-Familie an vorderer Stelle mitmischt. Eine zweite Staffel von „Arrow“ ist schon in Arbeit.

Arrow Vox, immer montags, 20.15 Uhr