Saison-Auftakt

Ein Schmetterling begleitet Tugan Sokhiev bei Janáček

Plötzlich ist dieser Schmetterling da. Er tänzelt durchs Parkett, kreist dicht über dem verblüfften Orchester.

Zu Leoš Janáčeks „Sinfonietta“ passt der Schmetterling hervorragend. Sanft schaukelt er über den wogenden Streichern, rasch flattert er zu den Flötentrillern. Fliegt Zickzacks, wenn das Blech zulangt. Der ungebetene Gast bereichert die Interpretation, er lockert sie auf. Auf dem Boden geht es derweil solide zu. DSO-Chef Tugan Sokhiev schlägt präzise den Takt, gibt alle Einsätze vor, zeichnet jede Kantilene mit. Was der 36-Jährige vernachlässigt: die Aura der Musik. Unter Sokhiev wirkt das Orchester zum Saisonauftakt fast amerikanisch. Hohes Niveau durch alle Instrumentengruppen hindurch. Virtuose solistische Präsenz. Erfrischend unsentimentaler Zugriff. Doch oft steht die Gefahr im Raum, ins Gesichtslose, Unpersönliche zu rutschen.

Ein weiteres Fundstücke zieht Sokhiev hervor: Bohuslav Martinůs „Rhapsodie-Konzert“ für Viola und Orchester. Ein neoromantisches Werk ohne jede Ecke und Kante allerdings. Bratschist Maxim Rysanov passt gut dazu. Sein Ton gleicht dem schmiegsamen Stofffrack, den er trägt – leicht, elegant, verführerisch. Nach der Pause kniet sich das DSO tief in Bartóks „Wunderbaren Mandarin“ und reizt den aggressiven Expressionismus des einstigen Skandalwerks genüsslich aus.