Gedenken

Schriftsteller Erich Loest ist tot

Der Autor starb im Alter von 87 Jahren in Leipzig. Die Polizei geht von einem Suizid aus

Der Schriftsteller Erich Loest ist tot. Wie die Polizei in Leipzig am Donnerstag bestätigte, stürzte der 87-Jährige am Abend aus einem Fenster im zweiten Stock der Universitätsklinik. Den Ermittlungen zufolge handele es sich um Suizid, sagte ein Polizeisprecher. Loest war schon länger schwer krank

Erich Loest wurde 1926 in Mittweida bei Leipzig geboren. Kurz vor Kriegsende 1945 musste er noch in den Krieg ziehen. 1947 wurde er Mitglied der SED, studierte in Leipzig Literatur und arbeitete dann als Journalist. Ab 1957 saß Loest wegen „konterrevolutionärer Gruppenbildung“ für sieben Jahre im Stasi-Gefängnis Bautzen ein. Danach arbeitete er weiter als Autor, bis er 1981 in die Bundesrepublik ausreisen musste. 1990 wurde Loest von einem DDR-Gericht rehabilitiert und kehrte nach Leipzig zurück, wo er mit seiner Lebensgefährtin bis zu seinem Tod lebte.

In seinen Romanen setzte sich Loest immer wieder mit der deutschen Teilung und Wiedervereinigung auseinander. Er habe zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur beigetragen, hieß es im vergangenen Jahr, als er den Preis des Fördervereins der Stasiopfer-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen erhielt. In Werken wie „Durch die Erde ein Riss“ oder „Nikolaikirche“ habe Loest vielen Menschen in ganz Deutschland ein realistisches Bild der DDR als menschenfeindliche Diktatur vermittelt.