Sachbuch

Im Widerstand: Bonhoeffer und von Dohnanyi im Porträt

Gedenken kann sehr ungerecht sein. Dem Namen Dietrich Bonhoeffer begegnet jeder, der sich mit Christentum im 20. Jahrhundert oder mit dem Widerstand gegen Hitler beschäftigt.

Zahlreiche Skulpturen und Tafeln erinnern an den am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg hingerichteten Theologen. Den Namen Hans von Dohnanyi kennt dagegen jenseits von Widerstandsexperten kaum jemand. Höchstens weiß man, dass seine beiden Söhne, der SPD-Politiker Klaus und der Dirigent Christoph, ihren Vater verloren. Er starb, ebenfalls am 9. April 1945, im KZ Sachsenhausen.

Am seltsamsten hätten vielleicht Bonhoeffer und Dohnanyi selbst dieses so unterschiedliche Gedenken gefunden. Denn die beiden waren nicht nur Schulfreunde und Schwager. Vor allem waren sie Vertraute und arbeiteten im Widerstand gegen Hitler zusammen. So ist es gut, dass der 87-jährige US-Historiker deutscher Herkunft Fritz Stern mit seiner Frau Elisabeth Sifton diesen herausragenden Vertretern des „anderen“ Deutschlands einen Essay gewidmet hat: „Keine gewöhnlichen Männer“.

Der Band ist eine sehr persönliche Annäherung. Es handelt sich um ein elegant geschriebenes Doppelporträt. Zugleich sehen Stern und Sifton jedoch auch über das rein Biografische hinaus: „Der Widerstand in Deutschlands finsterster Zeit war weitreichender, tiefgreifender und komplizierter, als es üblicherweise dargestellt wird.“ Dietrich Bonhoeffer, Jahrgang 1906, war ein schon mit Mitte zwanzig ein hoch qualifizierter Theologe, ein mitreißender Prediger zudem. Unnachgiebig verweigerte er sich der Politisierung seiner Kirche, die von den Hitler-treuen „Deutschen Christen“ angestrebt wurde. Anfangs, schrieb er 1935 an seinen Bruder, habe er die Theologie als „eine mehr akademische Angelegenheit“ betrachtet. Inzwischen sei „etwas ganz anderes“ daraus geworden: „Ich glaube nun endlich zu wissen, wenigstens einmal auf die richtige Spur gekommen zu sein – zum ersten Mal in meinem Leben.“ Aus dieser Überzeugung gewann er die Energie, gegen das Regime aufzutreten und als auch am Widerstand mitzuwirken.

Jurist Hans von Dohnanyi, Jahrgang 1902, erfuhr als Referent im Reichsjustizministerium viel über die Verbrechen des Regimes – und legte, „mit kühler Effizienz und wachsender Empörung eine Chronik der gesetzwidrigen Taten des NS-Staates“ an, „mitsamt stützenden beweisen und einem Register". Das war der Ausgangspunkt für Widerstand im Ministerium, am Reichsgericht, schließlich im Geheimdienst „Abwehr“. Doch das Regime verfolgte seine Gegner: Am 5. April 1943 fielen beide der Gestapo in die Hände. Zu den offenbar geplanten Verfahren kam es nicht mehr, beide wurden in Konzentrationslagern ermordet.

Dank der Ruhe der Autoren bekommen auch scheinbar belastende Fakten den angemessenen Platz. Etwa der Bittbrief, den Bonhoeffer 1940 an die Gestapo schrieb. Nach wenigen Zitaten aus dem etwas unangenehm anbiedernden Wortlaut schließen Stern und Sifton an: „Er bat um Unterredung, unterschrieb den Brief mit ,Heil Hitler!' und erhielt keine Antwort. Das Redeverbot wurde nie aufgehoben.“

Elisabeth Sifton, Fritz Stern: Keine gewöhnlichen Männer. C.H. Beck, 176 S., 18,95 Euro