Ausstellung

Dunkle Welt der Romantiker

Im Autocenter zeigt René Luckhardt seine „Kellerloch Paintings“

Türen sind das, die Ölmalereien von René Luckhardt, die jetzt im Autocenter an den Wänden hängen, Türen tief in ein unbekanntes Inneres herabsteigend. Und weil es so gut passt, trägt der Künstler während er durch die Ausstellung führt, ein T-Shirt mit der Unterschrift Aleister Crowleys. Crowley war ein Verrückter, ein Okkulter, ein Psychodelischer, der in der sizilianischen Abtei Thelema die Wahrheit im Rausch, im Selbstversuch, im Spiritus, in der inneren Einkehr suchte. Deswegen passt die Unterschrift so gut.

Luckhardt nennt seine Arbeiten, die in einem zehnjährigen Zeitraum ab der Jahrtausendwende entstanden sind, angelehnt an „Aufzeichnungen aus dem Kellerloch“ von Dostojewski, „Kellerloch Paintings“. Die schweren, dunklen Farben, die so sonderbar dreinschauenden Figuren von Großmüttern und Kreaturen haben etwas tief Romantisches, wie aus den alten Märchen. Und tatsächlich ließ sich Luckhardt von alten Regionalbändchen, von Familienalben, von den Illustrationen Otto Ubbelohde, er zeichnete für Grimms Märchen, inspirieren. Von einer alten, europäischen, deutschen Welt. Da werden die Trachten aus der hessischen Region „Schwalm“ aufgesetzt, dort zittert das Geäst des Kellerwalds. Die Arbeiten Luckhardts kommen gänzlich unmodern daher. „Mich hat immer das Altmodische interessiert, nicht das Nostalgische. Nostalgie ist Pop“, sagt Luckhardt beim Betrachten seiner Geschöpfe. Recht hat er. Hier wird nichts verklärt, denn das Schlimme und Schöne zugleich an Märchen, an Dostojewskis Aufzeichnungen ist, sie als völlig erfundene Schöpfungen sind wahrhaftiger als manches vermeintlich Reale.

So steht und sitzt unter den vielen Schichten der Ölfarben, unter den Pentimenti häufig seine Großmutter. Es waren vor allen Dingen Familienalben der Nachkriegszeit, die Luckhardt studierte. Narben, Falten, echte Gesichter eben, die etwas erlebt haben, den Aufstieg, den Fall, die Kapitulation und den Wiederaufbau.

Die Großmutter in schwarzer Robe mit einem Lilienkragen, darüber in einem Glas auf einem Regal eine Frau, und rechts ein Totenschädel. Dann das Paar vor dem grüngelben Waber der Zeiten, sie stehen vor dem Gartenzaun und warten, posieren, sie im absinthgrünen Kleid mit einer ebensolchen Gesichtsfarbe. Wie für ein Porträt von bescheidenen Bürgern, so stehen die Eheleute also da. Obwohl ihre Physiognomie entstellt scheint, unheimlich fast, so unfassbar unmenschlich, böse schauen sie nicht.

Obwohl er 1972 geboren ist, in Marburg, ist Luckhardt in der Zeit der schwarzen Romantik zuhause. Man meint, das sind Gestalten E. T. A. Hoffmanns, gleich kommt der Wetterglashändler. Das Kellerloch ist kein Ort, es ist ein Zustand, ein flüchtiger dazu, der vom Übergang des Einen in das Andere, vom Diesseits ins Jenseits, von der Realität in die Fantasie, vom hier und jetzt ins Wunderland erzählt.

Autocenter,Leipziger Str. 45, Mitte. Do-Sa 16-19 Uhr.