Kinofilm

George Clooney schwebt über der Erde

Stars zum Auftakt: Mit dem Weltraumfilm „Gravity“ eröffnete Venedigs Filmfestival

Der Jubiläumsjahrgang des Filmfestivals in Venedig begann gleich mit einem vertrauten Gesicht auf der Leinwand: Dauergast George Clooney, gefühlt in jedem zweiten Eröffnungsfilm der Mostra, spielt nun einen Astronauten, dessen Raumstation vom durch das All rasenden russischen Weltraumschrott zerstört wird. Fortan schwebt er schwerelos auf der Suche nach Rettung Hunderte Kilometer über der Erde. Doch es ist ganz der Film von Sandra Bullock, die Clooneys Kollegin spielt, für deren Überleben er sich nach gerade einmal 40 Minuten opfert. Danach kämpft sich Bullock als Medizinerin, die seit dem Tod ihrer vierjährigen Tochter buchstäblich aus der Welt geflüchtet ist, von Raumstation zu Raumstation. Doch überall, wo sie auf ihrer Flucht durch das feindliche Weltall hinkommt, fliegt nicht nur ihr das Equipment um die Ohren, sondern damit auch dem Publikum, selten sah 3D so spektakulär aus. Doch Regisseur Cuarón gelingt es auf erstaunliche Weise, die Schauwerte der scheinbar schwerelosen, tiefenscharfen Bilder mit der emotionalen Tiefe seiner Hauptfigur zu verbinden.

Ein mehr als gelungener Auftakt für die 70. Ausgabe des Festivals. Entsprechend gut gelaunt gaben sich Bullock und Clooney auf der anschließenden Pressekonferenz. Bullock erzählte, wie sie sich mit echten Astronauten getroffen und sie ausgefragt hat. „Ich wollte wissen, wie der Körper in der Schwerelosigkeit reagiert und wie man eigentlich aufs Klo geht. Ich hatte keine Ahnung.“ Sie habe sich mit einem harten Training vorbereitet. „Ein Trauma verändert einen Menschen ja auch physisch und sie hat sich einen Körper wie eine Maschine zugelegt.“ Ob sie selbst in Extremsituationen so ruhig bleiben, will ein Journalist wissen und Bullock gibt zu, nicht immer reagiert zu haben, dass sie stolz darauf war. „Aber ich habe es kein zweites Mal getan. Und das ist doch das Tolle, dass einen solche Situationen zu besseren Menschen machen.“ Clooney nennt seine Reisen in den Südsudan, die nicht immer ungefährlich waren. „Aber ich versuche zumindest, dabei nicht wie ein verängstigtes, schreiendes Kind zu wirken.“ Er erwähnt, dass er selbst Besitzer eines Satelliten ist, der über der südsudanischen Grenze Kriegsverbrechen aufzeichne. Aber zu politisch will er an diesem Tag auf dem Lido nicht werden. Als ihn ein Journalist nach einem möglichem Syrieneinsatz der USA fragt, kontert er ironisch: „Oh, wow! Darauf war ich nicht vorbereitet. Ich dachte, sie fragen mich, was ich von Ben Affleck als neuem Batman halte.“

Die nach „Gravity“ angesetzte Vorführung von „Venezia 70 – Future Reloaded“ war Geburtstagsständchen von Filmemachern fürs Festival. 70 Kurzfilme zwischen 60 und 90 Sekunden, die sich laut Vorspann mit der Zukunft des Kinos auseinandersetzen. Etliche Fingerübungen waren darunter, aber auch ein sehr persönlicher Film des Jurypräsidenten Bernardo Bertolucci. Seit Jahren an den Rollstuhl gefesselt, filmte er mit einer Digitalkamera dessen Reifen, wie sie über marodes Kopfsteinpflaster ruckeln. Vom Meister selbst sind nur dessen rote Schuhe zu sehen.