Porträt

Am Anfang war der Wille

Eva Meckbach wollte immer an die Schaubühne, jetzt spielt sie ihre 25. Rolle an dem Theater. Mal wieder Shakespeare. Aber hochaktuell

Eva Meckbach möchte die Straßenseite wechseln. Aber nur, wenn’s keine Umstände macht. Allerdings würde sie schon gern, denn hier kommen so viele Kollegen vorbei, das könnte beim Interview stören. Das Mineralwasser ist schnell ausgetrunken, wir gehen vom Schaubühnen-Café zum Schaubühnen-Italiener gegenüber. Und setzen uns nach draußen.

Die 32-Jährige steht vor einem Jubiläum: In „Viel Lärm um Nichts“, Premiere ist am Sonnabend, spielt sie ihre 25. Rolle an der Schaubühne. Seit 2006 ist sie Ensemblemitglied an dem Haus, an das sie immer wollte. Und gerade wurde sie von einem Stadtmagazin zur Diva gekürt, Untertitel: „Berlins aufregendste junge Schauspielerinnen“. Neben Eva Meckbach listet das Blatt noch neun weitere Kolleginnen auf.

„Was das auch immer heißt?“ – sie reflektiert und scherzt ein bisschen über das Wesen einer Diva, über Unsicherheiten, die man durch Rollenklischees zu verbergen versucht. Mit der Einordnung als aufregende Jungschauspielerin kann sie besser leben, die „Zitty“-Geschichte betrachtet sie, deren Figuren nie die Bodenhaftung verlieren, als „kleine Auszeichnung“ und fragt sich, ob das Magazin so eine Titelstory auch gemacht hätte, wenn es um Männer gegangen wäre, schließlich hängt divenhaftes Verhalten nicht vom Geschlecht ab.

Mit ihren dunkelbraunen Augen schaut sie ihren Gegenüber aufmerksam an, während sie gestenreich spricht. Wir bleiben noch ein wenig bei dem Thema, denn mit Nina Hoss bekommt Eva Meckbach in dieser Spielzeit eine neue Kollegin, die auch nicht divenhaft, aber sehr prominent und nur ein paar Jahre älter ist. Der Wechsel der Schauspielerin vom Deutschen Theater hat medial große Aufmerksamkeit erregt. „Eine totale Bereicherung fürs Ensemble“, sagt Eva Meckbach, die sich „freut, Nina Hoss näher kennen zu lernen.“

Sie kennt die Kollegin von der Leinwand, hat sie aber auch schon auf der Bühne gesehen. Und zwar gleich dreimal in „Emilia Galotti“. Die legendäre Inszenierung von Regisseur Michael Thalheimer am Deutschen Theater hat Eva Meckbach während ihres Schauspiel-Studiums gesehen, „ein bewegender, ein toller Abend“. Mit Nina Hoss, Ingo Hülsmann und Regine Zimmermann sind mittlerweile drei der vier „Galotti“-Hauptakteure an die Schaubühne gewechselt.

Beeindruckende Tricks

Märchenhafte Züge trägt Eva Meckbachs schauspielerischer Werdegang, nicht nur, weil sie direkt nach der Ausbildung an der Berliner Universität der Künste an ihre Wunschbühne kam. Sie wuchs mit ihren beiden Geschwistern auf der schwäbischen Alb in einer eher theaterfernen Umgebung auf, wollte aber immer Schauspielerin werden. Warum? „Wahrscheinlich habe ich von meinen Eltern unglaublich viel Bestätigung bekommen, wenn ich Mätzchen gemacht habe“, sagt sie lachend und ergänzt: „Ich hatte einfach Lust, zu spielen und zu singen.“ Mit der Mutter ist sie häufiger nach Ulm ins Theater gefahren, sie erinnert sich noch lebhaft ans Weihnachtsmärchen, wie bei „Hänsel und Gretel“ die Hexe wegflog und immer kleiner wurde – die Tricks haben sie damals schwer beeindruckt.

Im Jahr 2000 hat sie dann ihr Abitur gemacht und einen Tipp ihres Bruders beherzigt: Sie ging nach Bochum, um ihren Berufswunsch bei dem Projekt „Theater total“, bei dem auch Dozenten der Schauspielschulen aus Essen und Bochum unterrichteten, ein Jahr lang zu überprüfen. „Ich kam zum Schluss, dass es schwieriger ist als gedacht, aber ich wollte es unbedingt.“ Mit Freunden zog sie nach Berlin, gemeinsam bereiteten sie sich auf die Aufnahmeprüfungen an diversen Schauspielschulen vor. „Wir fühlten uns nicht als Konkurrenten, wir waren froh, dass wir die Monologe gemeinsam üben und die Kosten für einen angemieteten Probenraum teilen konnten.“ Es sind übrigens alle genommen worden, allerdings nicht alle in der Hauptstadt.

Gesellschaftliche Zwänge

Das erste Stück, und damit schließt sich ein Kreis, in dem Eva Meckbach am Lehniner Platz auftrat, war „Ein Sommernachtstraum“, ihre 25. Rolle stammt auch von Shakespeare. Unter der Regie von Marius von Mayenburg spielt sie Beatrice in „Viel Lärm um Nichts“, es geht natürlich um Liebe, aber auch um Macht, Fremdbestimmung und Entscheidungsfreiheit. Eva Meckbach erkennt in der über 400 Jahre alten Komödie viele zeitgemäße Aspekte: „Es geht darum, wie sehr unsere Beziehungsmodelle geprägt sind von gesellschaftlichen Zwängen. Die Gesellschaft belohnt uns, wenn wir uns konform verhalten zu den Modellen, die es schon lange gibt. Aber sobald wir die verlassen, wird es schwierig mit der Bestätigung.“ Wer heirate, bekomme dazu auch steuerliche Vorteile, „dabei ist ein jahrelanges Zusammenleben ohne Trauschein doch auch eine Leistung“.

Im Stück „wird Beatrice mit diebischer Freude verkuppelt und tut am Ende das, was sie eigentlich nie wollte. Sie beugt sich dem gesellschaftlichen Druck und heiratet.“ Benedict und Beatrice wollen nur unter bestimmten Bedingungen eine Beziehung führen, das sei doch sehr heutig, ebenso die Bindungsangst von Benedict. Befeuert wurden die gesellschaftlichen Diskussionen während der Proben durch die Absage des Regisseurs, an einem Festival in Moskau teilzunehmen. Dort läuft von Mayenburgs Stück „Der Stein“, aber der verzichtete aus Protest gegen die schwulenfeindlichen Gesetze auf eine Reise nach Russland. Dort werde Marius von Mayenburg jetzt als Staatsfeind angesehen, sagt Eva Meckbach: „Ich bin ihm dankbar dafür, dass er eine klare Position bezogen hat.“ Die Hatz gegen Homosexuelle in Russland erinnert sie an die Judenverfolgung unter den Nazis. Und das in einem Land, „das sich kulturell zu Europa zählt“. Da müsse man ganz wachsam sein.