Theater

Giora Feidman und Ben Becker verneigen sich vor Paul Celan

Über tausend Menschen füllten die Synagoge Rykestraße bis in ihren letzten Winkel.

Dann ertönte eine vertraute Stimme aus dem Off: „Lieber, lieber Paul! Ich habe gestern und heute viel an Dich, wenn Du willst, an uns gedacht“. Paul ist Paul Celan. Die Worte stammen aus einem Brief von Ingeborg Bachmann an den Dichter. Der unsichtbare Vorleser war Ben Becker. Erst kurz danach, als der Klarinettist Giora Feidman sein erstes Stück gespielt hatte, machte Becker die Zuhörer auch zu Zuschauern, bei der Berlinpremiere von „Zweistimmig: Eine Hommage an Paul Celan“ am Donnerstag. Kaum jemand aus dem Publikum war unter 35, alle hörten gebannt zu während abwechselnd Gedichte und Briefe von Celan selbst und aus seinem Umfeld inszeniert wurden.

Mit seiner baggerschaufelgroßen Stimme schöpfte Becker aus der Tiefe der Gedichte eine ergreifende Stimmung. Ganz in Schwarz gekleidet, mit dem bekannten Totenkopfring am Finger und roter Samtkippa, stand der Sänger und Schauspieler vorn in der Synagoge. Wahrscheinlich hatte jeder der Anwesenden Paul Celans bekanntestes Gedicht schon einmal gehört. Dennoch ging, als „Die Todesfuge“ erklang, ein Schauern durch die Reihen. „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“, sprach der Schauspieler.

Aber nicht alles war schwer. Als Feidman und seine musikalischen Begleiter zwischendurch tapsige Töne spielten, wiegte sich Becker, Zungenspitze sichtbar, im Takt. Am Ende der zweistündigen Veranstaltung der Jüdischen Kulturtage erklatschte das begeisterte Publikum eine musikalische Zugabe. Doch als auch Feidman Becker zu applaudieren begann, ergriff dieser seine Hand und beide wandten sich dem Porträt Celans zu und huldigten dem Dichter.