Opern-Kritik

Beim „Figaro“ im Konzerthaus kommt es zu Drängeleien

An konzertante Opernaufführungen hat man sich gewöhnt, aber Chefdirigent Iván Fischer geht im Konzerthaus einen Sonderweg.

Seine szenische Neulesung von Mozarts „Figaro“ erntet zum Saisonauftakt großen Beifall. Kein Wunder: die Rollen der Sängerinnen sind aufs Wundervollste besetzt. Es stört nur ein bisschen das nicht vorhandene dramatische Drumherum. Die Konzerthausbühne ist zunächst gähnend leer, ein paar Requisiten hängen von der Decke, das Orchester versammelt sich allmählich in allen vier Ecken, Iván Fischer stapft auf und ab und macht neugierig auf das Kommende. Die Mitte der Bühne nimmt, ein paar Stufen erhöht, ein kleines Podest ein: die Spielfläche. Auf ihr kommt es in den Finalmomenten regelrecht zu Drängeleien. Sonst aber geht alles fein ordentlich zu, obwohl man das lustige Geschehen nur wie durch ein Schlüsselloch beobachten darf.

Man riecht das Pulver, aber es zündet nicht. Die Musik erklingt streckenweise im Leeren, obwohl sie vom Konzerthausorchester und den glänzenden Solisten zündend vorgetragen wird. Fischer ist ein Mann des Theaters, er bräuchte ein Opernhaus. Zweifellos besitzt er die glückliche Hand, sich die angemessenen Interpreten herauszufischen. Laura Tatulescu ist eine bezaubernde Susanna, um die sich der Graf, Figaro und nicht zuletzt das Publikum reißen. Man muss sie ganz einfach lieben, was der gewitzte Mozart schon immer wusste. Miah Persson als klagende Gräfin setzt ihren feinen Sopran eindringlich wie mit schmerzendem Herzen ein. Rachel Frenkel singt Cherubino, den Spaßvogel wider Willen, und macht daraus ein Häufchen anrührendes Mädchenelend.

Hanno Müller-Brachmann ist als Figaro ein singender Diener, wie man ihn sich immer erträumt, zumindest, wenn man kein Graf ist wie Roman Trenkel, auf seiner Liebesverfolgungsjagd. Sie alle führen geradezu einen „Figaro“ Mozarts vor, wie er im Bilderbuch steht. Jubel am Ende.