Interview

„Das ist eine große Herausforderung“

Kulturstaatssekretär André Schmitz ist glücklich über das neue Museum, wundert sich aber über die Stiftung

Berlin bekommt ein neues Museum für die Kunst des 20. Jahrhunderts. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz möchte es auf dem Kulturforum neben der Neuen Nationalgalerie errichten, die Pläne waren umstritten und wurden am Mittwoch vorgestellt. Ausgestellt sollen dort auch Werke der Sammlung Pietzsch, die Sammler haben ihre Schenkung davon abhängig gemacht, dass die Bilder nicht im Depot verschwinden. Mit Kulturstaatssekretär André Schmitz sprach Stefan Kirschner.

Berliner Morgenpost:

Herr Schmitz, haben Sie schon mit dem Sammlerehepaar Pietzsch gesprochen?

André Schmitz:

Noch nicht, zumal Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der unmittelbare Verhandlungspartner ist. Aber ich habe häufiger mit den Sammlern geredet, ich gehe davon aus, dass die beiden genauso glücklich sind wie das Land Berlin. Wir freuen uns, dass es nun eine zeitnahe Lösung für diese wunderbare Schenkung an das Land Berlin gibt und gleichzeitig eine Lücke in der Berliner Museumslandschaft geschlossen wird. Dafür dankt Berlin dem Bund. Berlin hat kein Collosseum oder eine antike Geschichte, Berlin steht für das 20. Jahrhundert. Wir haben großartige Sammlungsbestände der Moderne, die aber mangels Platz in der Neuen Nationalgalerie nur ausschnittweise gezeigt werden kann.

Diese „Galerie des 20. Jahrhunderts“ ist eine Dauerleihgabe an die Preußenstiftung.

Der Senat hat unmittelbar nach 1945 weitsichtig große Ankäufe im Bereich der Moderne gemacht, um die Lücke in den eigenen Sammlungen zu schließen, die die Nazis geschlagen haben. In den 60er Jahren kam es dann zu der Leihgabe. Die Bilder aber gehören dem Land Berlin, deshalb treffen uns auch Restitutionsforderungen wie erst kürzlich bei zwei Gemälden von Schmidt-Rottluff.

Die Preußenstiftung geht davon aus, dass das neue Museum auf dem Kulturforum erst 2024 bezogen werden kann. Ist das noch zeitnah? Zehn Jahre für die Realisierung eines vergleichsweise kleinen Museums?

Diese Frage müssen Sie der Stiftung stellen, die macht die Planung. Ich habe diese Information auch nur aus der Zeitung.

Sie sind nicht vorher informiert worden?

Das hat mich auch ein bisschen erstaunt, aber so war es. Ich denke, dass hätte die Stiftung mit Berlin, also dem Sitzland, anders kommunizieren können. Aber es zählt das Ergebnis – und das ist gut!

Das Land war auf der Pressekonferenz der Stiftung ein Thema. Dabei ging es etwas hämisch zu, nach dem Motto, Berlin kommt mit seinen Bauprojekten nicht voran.

Das habe ich auch gehört. Ich finde es schon befremdlich, dass ein Direktoriumsmitglied der Stiftung Preußischer Kulturbesitz meint, sich über das Land Berlin lustig machen zu können vor dem Hintergrund einer in den letzten Jahrzehnten exzellenten Zusammenarbeit. Wir sind nach dem Bund der zweitgrößte Zahler innerhalb der Stiftung, Berlin hat den stellvertretenden Stiftungsratsvorsitz inne und wir haben eine sehr enge und vertrauensvolle Kooperation. Deshalb verbietet sich eigentlich ein solches Verhalten.

Aber bei der Umgestaltung des Kulturforums ist doch die Stadt gefordert?

Natürlich. Das ist eine städtebauliche Aufgabe, die dringend einer Lösung bedarf. Zumal es jetzt den Erweiterungsbau gibt, der natürlich eine hohe bauliche Qualität haben muss, um sich in diese großartigen Bauten der Moderne einzufügen. Für mich ist die Neue Nationalgalerie der schönste Nachkriegsbau in Berlin. In so großer Nähe einen Bau mit 20 Metern Höhe zu stellen, das ist schon eine große Herausforderung. Ich persönlich fände es nicht schlecht, wenn sich dieser Bau auf die Funktionalität beschränkt und sich zurücknimmt vor diesem architektonischen Denkmal der Neuen Nationalgalerie. Nur bei dem Bauvolumen, das dort hinkommen soll, ist das eine doppelt schwere Aufgabe. Aber diese Fragen entbinden uns nicht von der Aufgabe, eine städtebauliche Lösung für das Kulturforum zu finden. Und die kann nur in einer Verdichtung bestehen: Man muss diese Baulücke an der Potsdamer Straße zwischen Nationalgalerie und Philharmonie schließen.

Die Senatsbaudirektorin favorisiert als Zwischenlösung eine Grünfläche mit Bäumen.

Da geht es um ein Projekt, den Eingangsbereich der Philharmonie neu zu gestalten, das begrüße ich sehr, aber das ist natürlich noch nicht die Antwort auf die städtebaulichen Herausforderungen.

Langfristig soll auch die Gemäldegalerie auf die Museumsinsel umziehen, Hermann Parzinger hat das am Mittwoch nochmals ausdrücklich betont.

Das finde ich richtig, das habe ich immer unterstützt. Das ist eigentlich auch Beschlusslage innerhalb der Stiftung, eine perspektivische – ohne konkreten Zeitpunkt. In vielen Museen sind Gemälde und Skulpturen zusammen ausgestellt. Aber den Umzug der Gemäldegalerie wird erst die nächste Generation der Politiker und Museumsdirektoren umsetzen.

Das könnte ziemlich teuer werden, die Stiftung hat das in der Machbarkeitsstudie ebenfalls durchrechnen lassen und kommt auf eine Summe über 300 Millionen Euro.

Mich hat schon erstaunt, dass monatelang von 160 Millionen Euro für einen Neubau der Gemäldegalerie auf der Museumsinsel die Rede war und plötzlich kommen wir bei mehr als dem Doppelten an. Aber wenn man die Anforderungen an diesen Neubau mit dem vergleicht, was jetzt auf dem Kulturforum geplant ist, so fällt auf, dass man es qualitativ gar nicht vergleichen kann.

Mit dem Neubau auf dem Kulturforum steigen auch die Betriebskosten der Stiftung, eine neues Haus verursacht Kosten. Die Zuschüsse an die Stiftung müssen erhöht werden. Mit welcher Größenordnung rechnen Sie?

Das weiß momentan wahrscheinlich nicht mal die Stiftung. Wir verhandeln gerade den Doppelhaushalt 2014/15, in dem ein Ausgleich für die steigenden Tarif- und Bewirtschaftungskosten vorgesehen ist. So weit ist der Bund noch nicht, weil er immer nur Haushalte für ein Jahr beschließt. Aber daran sieht man, dass Berlin seinen Verpflichtungen gegenüber der Stiftung Preußischer Kulturbesitz immer nachgekommen ist – und dies auch in Zukunft tun wird.