Gedenken

„Spur der Steine": Erik Neutsch in Halle gestorben

Der DDR-Bestsellerautor wurde 82 Jahre alt

Mit seinem Buch „Spur der Steine“ (1964) hatte der Schriftsteller Erik Neutsch aus Halle Literaturgeschichte in der DDR geschrieben. Seine Bücher waren vor dem Fall der Mauer Bestseller. An seinem Werk „Der Friede im Osten“ (begonnen 1974) arbeitete Neutsch eigentlich sein ganzes Leben lang. Dieser ursprünglich auf sechs Bände ausgelegte Romanzyklus und das Buch „Auf der Suche nach Gatt“ (1973) galten als Standardwerke des sozialistischen Realismus. Nun starb Neutsch am Dienstag im Alter von 82 Jahren.

In den letzten Jahren war es ruhig um ihn geworden. Der gesundheitlich schwer Angeschlagene hatte sich in ein Haus am Waldrand von Halle zurückgezogen. Mit der Wende war für Neutsch auch beruflich eine Welt zusammengebrochen. Von 1974 bis 1990 war er Mitglied der Akademie der Künste der DDR. „Autoren meines Geistes sind auch nicht willkommen in diesem Land“, sagte Neutsch bei einer Lesung aus seinem 2003 erschienenen Buch „Nach dem großen Aufstand“. „Ich will weiterschreiben“, bekannte Neutsch 2006 vor Publikum. Und fügte sogleich hinzu: „Ich weiß aber nicht, ob jemand das verlegen wird.“ Seinen Platz in der Gesellschaft nach 1990 fand er wohl nur sehr schwer oder gar nicht. Die Arbeit an einem sozialkritischen Werk unmittelbar nach 1990 hatte er beiseite gelegt. „Die Wirklichkeit sieht viel schlimmer aus, als ich mir das ausdenken kann“, sagte der 1931 als Arbeiterkind in Schönebeck bei Magdeburg geborene Schriftsteller.

Zu DDR-Zeiten schilderte er in „Spur der Steine“ die gesellschaftspolitische Entwicklung des Zimmermannbrigadiers Balla. Das Buch wurde mit Manfred Krug in der Hauptrolle verfilmt. Nach der Premiere wurde der Defa-Film jedoch wegen seiner kritischen Sichtweise auf die DDR abgesetzt und erst 1990 wieder gezeigt. Nach dem Fall der Mauer erschien von Neutsch als erstes Werk der Wenderoman „Totschlag“ (1994). Darin geht es um ungelöste Eigentumsprobleme und deren Folgen für die Wiedervereinigung.

Im Erzählband „Verdämmerung“ (2003) schrieb er sich nach dem Tod seiner Ehefrau, mit der er über 50 Jahre verheiratet war, den Schmerz von der Seele. Der studierte Journalist äußerte sich zuletzt in einem Interviewbuch „Spur des Lebens“ (2010).