Krimi

Ausgerechnet Spanier wollen Angela Merkel das Leben retten

Krimis zum Kaputtlachen gibt es viele; Krimis, mit denen man lachen mag, leider nicht.

Die Mordgeschichte à la Agatha Christie hatte ihre komische Seite, der alles dominierende Schwedenkrimi dagegen ist frei von allem Humor: Am liebsten suhlt er sich in Leid und Niedergangsfantasien und malt das Ende des Wohlfahrtsstaats in düsteren Farben. Vielleicht sind Wallander & Söhne ja die Symbolfiguren der europäischen Depression; vielleicht sind sie auch bloß eine Mittelstandsdroge, um noch schlechter draufzukommen, als man ohnehin ist. Dabei geht Krise auch anders; Eduardo Mendoza, der schlaue spanische Romancier, macht’s vor. Mit 70 hat er noch einmal tief in den Farbtopf gegriffen und die Krise und das von ihr gebeutelte Spanien grellbunt angemalt. Seine Kriminalkomödie „Der Friseur und die Kanzlerin“ ist knallige Groteske, ein Gesellschaftsroman mit Sonnenstich, der sich erst gar nicht um den depressiven Mittelstand schert, sondern im Glutofen der verwaisten Ramblas von Barcelona spielt. Sein Held und Erzähler verdämmert die Krise in einem Friseursalon, den außer dem Geldeintreiber von der Kreditkartenfirma seit langem niemand mehr besucht. Leben kommt erst in die Bude, als der Friseur vom Verschwinden des schönen Romulus erfährt. Keiner von Mendozas Helden lässt sich von den herrschenden Zuständen unterkriegen, der schöne Romulus aber ist der rücksichtsloseste Rebell: „Er hatte keinen Beruf, wollte reich sein und glaubte nicht, dass ehrliche Arbeit die beste Methode dazu war.“ Romulus’ Jahre zurückliegender Versuch, die Mannschaft des FC Barcelona zu entführen, um von jedem Fan ein paar Cent Lösegeld zu erpressen, zählt zu den komischen Glanzstücken des Romans: Der Entführungsversuch scheitert, weil heftige Turbulenzen im Luftraum ihn daran hindern, einen Spielzeugbagger zu einer Spielzeugpistole umzubauen. Die Grenze zum hellen Wahnsinn ist nie fern in „Der Friseur und die Kanzlerin“ und wird mit schöner Regelmäßigkeit überschritten. Offenbar hat sich Romulus mit einem international gesuchten Terroristen zusammengetan. Es droht ein Attentat auf Angela Merkel, und ausgerechnet das Lumpenproletariat der Euro-Krise nimmt sich vor, die gestrenge Herrin der Austerität zu retten. Bis die deutsche Kanzlerin auftaucht, vergehen allerdings zweihundert mit Pointen vollgestopfte Seiten, und wie es in solchen Fällen oft ist: Ausgerechnet die lang Erwartete enttäuscht. „Festen Schrittes und mürrischen Blickes“ betritt Angela Merkel spanischen Boden, „mit einer Frisur, die offen gestanden nicht auf der Höhe ihres Amtes war“.

Edoardo Mendoza: Der Friseur und die Kanzlerin. Nagel & Kirmche, 281 Seiten, 18,90 Euro