Belletristik

Ein Schweizer spielt meisterhaft mit der Sprache

Etwa 35.000 Schweizer sprechen noch Rätoromanisch.

Manche schreiben auch in dieser Sprache, und das föderale Förderfüllhorn sorgt dafür, dass auch rätoromanische Bücher ausgezeichnet werden. Arno Camenisch hat bereits höhere Preisränge erstiegen. Vor allem aber hat der 35-Jährige, was vielen der Geförderten fehlt: ein ansehnliches, enthusiastisches Publikum. Das kauft seine Bücher, vor allem aber strömt es zu seinen Lesungen. Camenisch performt seine Texte; nicht von ungefähr gehört er auch einer Spoken-Word-Gruppe mit dem schönen Namen „Bern ist überall“ an. Von der gesprochenen Sprache kommt er auch her, lautlich, lyrisch, spielerisch waren seine Anfänge: Vierzeiler. Ein wenig länger ist seine Prosa heute schon, aber kaum je über 100 Seiten. Netto 75 umfasst sein neuer Band: „Fred und Franz“. Das sind zwei richtige Typen. In knappen Szenen stellt sie der Autor in eine Kneipe, an den Rhein zum Fischen, ins Gebirge. Einmal sitzen sie in einem stehen gebliebenen Skilift.

Sagt der Fred, sagt der Franz: Refrainartig rhythmisieren diese Einschübe das Gerede über alles und jedes. Geformt hat dieser Schöpfer seine Kreaturen aus Sprache: einer schlichten, an Redewendungen orientierten, von Dialektismen und Kunstbildungen umrankten Prosa. Camenischs Kunst schöpft aus zwei Quellen: der Zweisprachigkeit und jener Literaturtradition der deutschsprachigen Schweiz, die glaubt, dass nur im Einfachen das Wahre zu finden ist. Es ist die Tradition eines Robert Walser und Peter Bichsel. Das sind große Namen, Berggipfel. Aber wenn man im Tal steht, geht es noch aufwärts.

Arno Camenisch: Fred und Franz. Engeler, 80 Seiten, 17 Euro