Sachbuch

Von Kopf bis Fuß: Unser Körper ist eine einzige Metapher

Ein kleiner Buchstabe „n“ im Untertitel gibt einen wichtigen Hinweis.

In der Tat präsentiert der britische Wissenschaftsjournalist Hugh Aldersey-Williams in seinem Buch „Anatomien“ viele interessante „Kulturgeschichten vom menschlichen Körper“, aber eben nicht dessen Kulturgeschichte. An dieser zweifelsohne größeren Herausforderung mögen sich noch andere versuchen.

Mediziner mit kulturgeschichtlichem Interesse und Kulturmenschen mit Lust auf anatomisch-biologischen Nachhilfeunterricht dürften am meisten von diesem Buch profitieren. So wie es der durchschnittliche Arzt durchaus interessant finden könnte, zu erfahren, dass im 15. Jahrhundert Städte bisweilen nach dem Vorbild des menschlichen Körpers konzipiert wurden – die Kirche am Ort des Herzens, der Marktplatz an der Position des Magens – so könnte es umgekehrt den eher geisteswissenschaftlich gebildeten Leser überraschen, dass die sich beim erkälteten Flugreisenden regelmäßig in Erinnerung bringende Eustachische Röhre ihren merkwürdigen Namen dem Italiener Bartolomeo Eustachi verdankt, der sie entdeckte.

Auch wenn dem Buch ein wirklich tragender roter Faden fehlt, wird die Lektüre niemals langweilig. Der Autor bietet Anekdotisches, Überraschendes und Skurriles – immer mit Bezug zum menschlichen Körper beziehungsweise den diversen Teilen desselben. Man spürt gleichsam die journalistische Arbeitsweise: viele Fakten sauber recherchiert und diese dann gut lesbar präsentiert. Das Ergebnis ist ein Kaleidoskop unzähliger Wissenshäppchen, das dem Leser gar viele Aha-Erlebnisse bescheren kann.

Hugh Aldersey-Williams: Anatomien. Hanser, 357 Seiten, 24,90 Euro