Pop-Kritik

Filmstar Jack Black rockt mit Tenatious D in der Zitadelle

Die Beiden haben ganz offensichtlich Probleme mit dem Erwachsenwerden.

Die abgrundtief pubertären Texte des amerikanischen Comedy-Rock-Duos Tenatious D sind von Sex and Drugs and Rock and Roll durchdrungen, und zwar mit der Betonung auf Sex. Wie sie aber mit zwei Akustik-Gitarren dem guten, alten Hardrock frönen, ist höchst imponierend. Rund 10.000 Besucher drängen sich am Dienstagabend in der Zitadelle Spandau, als Tenacious D nun mit Bandverstärkung zum ersten Mal Berlin heimsuchen.

Hinter Tenacious D stecken der 53-jährige Comedian und Musiker Kyle Gass und der 43-jährige Schauspieler und Sänger Jack Black. Der hat sich in kleinen und großen Hollywood-Rollen in Filmen wie „High Fidelity“, „School of Rock“, „King Kong“ oder „Liebe braucht keine Ferien“ einen guten Namen gemacht, lebt daneben seit Ende der 90er-Jahre seine hemmungslose Liebe zum Rock’n‘Roll mit seinem Kumpan Kyle Gass auf komödiantische Weise aus. Höhepunkt war 2006 der so urkomische wie grandios gefloppte Kinofilm „Tenatious D in The Pick of Destiny“, in dem sie die Geschichte ihres eigenen Duos und den Kampf mit dem Teufel um den besten Song aller Zeiten kurios in Szene setzten.

Dies ist vor allem ein Abend zum Spaßhaben. Kurz nach 20 Uhr kommen zu unheildräuenden Keyboardsounds fünf finstere Herr-der-Ringe-Gestalten in Mönchskutten auf die Bühne. Gerade ist mit „Rize of the Fenix“ das dritte Album von Tenacious D erschienen. Der Titelsong ist genauso eindeutig zweideutig wie ein Großteil des Repertoires. „Rize of the Fenix“ steht auch am Beginn dieser Show, und kaum sind sie beim Refrain angekommen, bläht sich ein gigantischer aufblasbarer Phönix im Hintergrund auf, der fortan das Bühnenbild bestimmt. Und der sieht aus wie ein gigantischer Phallus mit Flügeln. 90 Minuten später wird er sich zum Finale Richtung Publikum recken und sich als prustende Konfettimaschine entladen. Soviel zum Humorverständnis der beiden Comedy-Rocker.

Zwischendurch fährt eine Leinwand herunter für einen platten, selbst gedrehten Autosex-Sketch. Mit deutschen Dialogen. Im Vergleich zu manchen Nummern ihrer Comedyfilmchen im US-Pay-TV wohl noch eher harmlos. Ein bisschen Mummenschanz gibt es auch. Beim druckvollen „The Metal“ kraucht ein ausgewachsener Roboter über die Bühne, um von einem skurrilen außerirdischen Tintenfisch wieder verscheucht zu werden. Doch am besten sind sie, wenn sie einfach Musik machen. Gute Songs haben sie ja. „Roadie“ beispielsweise, eine Ode an ihre Bühnenhelfer. Oder „Kickapoo“, den Eröffnungssong aus „Pick of Destiny“, bei dem Kyle Gass den Part übernimmt, den Meat Loaf im Film gesungen hat. In einem Power-Medley zollen sie dem Who-RockMusical „Tommy“ Tribut, in einem andern Song dem viel zu früh gestorbenen Metal-Sänger Ronnie James Dio, hörbar einer der Heroen von Jack Black. Und natürlich kommen auch Kracher wie „Beelzeboss“ oder „Kielbasa“ prächtig an. Alles singt mit.