Interview

Zum Prügeln in ein Stripplokal

Der Berliner Schauspieler Jacob Matschenz über seinen neuen Film „Großstadtklein“, Partys und die Klassenfahrten des Lebens

In seinem neuesten Film „Großstadtklein“, der morgen in unsere Kinos kommt, wird Jacob Matschenz als Landei für ein Praktikum vom nordöstlichsten Zipfel Mecklenburg-Vorpommerns nach Berlin geschickt. Er tut es nur auf Geheiß seiner Eltern. Doch sein Interesse für die fremde Großstadt erwacht schlagartig, als er sich in die durchgeknallte Fritzi (Jytte-Merle Böhrnsen) verknallt. Im Gegensatz zu seinem Filmcharakter braust Hauptdarsteller Jacob Matschenz nicht mit einer Schwalbe, sondern, ebenfalls ziemlich cool, mit dem Fahrrad zum Interview. Mit Katharina Weiß führte der 29-Jährige ein schwärmerisches Gespräch über Freundschaft, verrückte Familien und die kleinen Abenteuerreisen des Lebens.

Berliner Morgenpost:

Sie heizen im Film immer mit Ihren beiden besten Kumpels, gespielt von Kostja Ullmann und Pit Bukowski, durchs Dorf. Die sind ganz stolz auf ihre Schwalben. Hatten Sie in Ihrer Jugend auch so ein putziges Statussymbol?

Jacob Matschenz:

Nein, das ist an mir vorbeigegangen – ich habe auch erst für den Film meinen Führerschein gemacht! Ich wohne in Pankow, da kommt man überall mit dem Rad hin. Es war dann auch eine ziemliche Hängepartie: Die Theorie habe ich mit null Fehlern bestanden, aber wenn bei der praktischen Fahrprüfung was schiefgegangen wäre, hätten wir ein echtes Problem gehabt.

Stimmt, für die Wettrennen im Wald oder die großartige Szene, als sich Pit in Boxershorts auf dem Roller durch die Waschanlage treiben lässt. Kann man das zum Nachmachen empfehlen?

Oh, besser nicht. Wir hatten Stuntmen, die erst die Gefahr ausgelotet haben. Mit den ganzen Chemikalien wäre das wohl nicht so gesund. Pit, der das im Film ja macht, meinte aber, das größte Problem sei das eiskalte Gebläse gewesen. Er musste da drei mal oben ohne durch und dabei die ganze Zeit lachen.

Okay, als Zuschauer denkt man sich, die haben da den Spaß ihres Lebens. An welchen Szenen hatten Sie beim Dreh wirklich Freude?

Ich mag die ruhigen Momente gerne, in Berlin bei Nacht oder die tragisch-komische Beerdigung von Opa Karl. Meine Lieblingsstelle ist eigentlich das geflüsterte Nachtgespräch von meinen beiden besten Freunden im Film. Sie sind mit ihren Schwalben nach Berlin gefahren und haben sie aus Angst vor Dieben im Wohnzimmer meines Filmcousins abgestellt. Hinter ihnen an der Wand sind zwei Vögel – natürlich Schwalben – eingerahmt, neben ihnen stehen die geliebten Roller. Und Kostja und Pit liegen da in ihren Schlafsäcken und tuscheln ganz süß vor sich hin.

Die Freundschaft ist auch aus der Not heraus so eng – im Dorf gibt es einfach nicht viel Auswahl. Gerade deshalb können die drei aber so viel voneinander lernen. Weil sie eben ganz unterschiedliche Charaktere sind, die der Zufall zusammengeworfen hat. Wie ist das bei Ihnen? Haben Sie noch Freunde mit gewöhnlichen Jobs, oder lebt man als hauptberuflicher Schauspieler auch im Privaten in seiner Kreativblase?

Zum Glück nicht. Dann würde man ja nur noch über die Arbeit reden! Ich habe fünf sehr enge Freunde, davon sind drei in der Filmbranche, einer hat eine Bar und einer ist Sozialarbeiter. Ich bin ganz froh darüber, dass man in Berlin auch mit dem Job vor der Kamera ganz normal durch die Straßen gehen und vielleicht auch mal nach ein paar Bier unbeobachtet aus der Kneipe stolpern kann.

Apropos stolpern: Tobias Moretti, der Ihren leicht aggressiven Onkel mimt, schleppt ja die Hälfte des Films einen Gips mit sich herum. War das ein Kniff des Regisseurs, ihm etwas von seiner Wuchtigkeit zu nehmen, um die Familienversöhnung einzuleiten?

Das war nie so im Buch. Tobias hat sich wirklich verletzt! Während einer Basketballszene hat er sich die Achillesferse gerissen und dann waren alle erst einmal rastlos. Jeder in der Familie hat ja so seine Macken. Er sollte ja die ganze Zeit immer zwanghaft Sport machen – aber glücklicherweise passt es jetzt genauso. Und er kann sich ja auch mit Krücke noch ganz gut prügeln...

In „Großstadtklein“ gibt es endlich mal wieder eine klassische Film-Prügelei. Setting dafür war ein Stripclub. Haben Sie sich da schon beim Lesen des Buchs auf den Dreh gefreut?

Für mich war es in der Tat das allererste Mal in so einem Laden. Die anderen konnten es gar nicht fassen!

Im Film endet eine durchzechte Nacht in bester „Hangover“-Manier im Knast. Gibt es während eines Drehs auch mal so einen Absturzabend – gönnt man sich vielleicht schon während solcher Partyszenen das erste Bierchen?

Es gibt ja Kollegen die da wie ein Method Actor drangehen. Also einfühlen in die Rolle und so. Ich habe mich bei einem anderen Film mal in Absprache mit dem Regisseurs für eine Szene betrunken, funktioniert für mich aber nicht. Nach einem harten Drehtag setzt man sich aber schon zusammen. Wir hatten da so eine Bowlingbahn, bei der wir zu Musik und Bier buchstäblich eine ruhige Kugel geschoben haben. Das ist auch das Schöne an dem Beruf. Man kommt rum. Das können ganz kleine Abenteuerreisen sein. Manchmal kommt man auch an Orte, zu denen man sonst gar keinen Zutritt hätte. Es ist, als wäre man ständig irgendwie auf Klassenfahrt, mit immer wieder neuen Leuten.