Spielzeit

Angela Merkel präsentiert die Saison der Kudammbühnen

Umbau? Welcher Umbau? Martin Woelffer setzt darauf, dass seine beiden Theater noch eine Weile spielen können

Martin Woelffer gibt das Heft aus der Hand. Er lässt Angela Merkel den Vortritt. Die ist mit Namensschild angekündigt und soll den Spielplan des Theaters und der Komödie am Kurfürstendamm vorstellen. Die Premieren bis Jahresende. Was am Ende der Präsentation natürlich die Frage aufwirft, ob die Bühnen bereits Anfang 2014 ihr angestammtes Domizil verlassen müssen? „Nein, nein“, wehrt Theater-Direktor Martin Woelffer ab, „wir haben uns auf 2013 beschränkt, weil wir hier keinen Platz für die Künstler aus den Produktionen der zweiten Saisonhälfte haben.“ Da kann man ihm nicht widersprechen: 13 Personen sitzen am bühnenbreiten Tisch, ein Hund liegt darunter. Der gehört der Regisseurin Ute Willing, die „Toutou“ inszeniert. Winfried Glatzeder sitzt neben ihr, er spielt mit, der Hund allerdings nicht, aber in dem Stück über eine in die Jahre gekommene Beziehung spielt ein Vierbeiner eine wichtige Rolle.

Über den Kudammbühnen schwebt schon länger das Damokles-Schwert der Schließung, der seit Jahren geplante Umbau des Kudamm-Karrees, dort sind die beiden Theater ungebracht, kam immer wieder ins Stocken. Vieles ist ungewiss. Eine Ausweichspielstätte gibt es bislang nicht, nach den derzeitigen Plänen sollen beide Theater abgerissen und ein neues im ersten Obergeschoss errichtet werden. Es klingt wie eine Mischung aus Trotz und Galgenhumor, wenn Martin Woelffer sagt, dass „wir uns auf fünf Jahre eingerichtet haben. Schließlich heißt es seit zehn Jahren, nächstes Jahr müsst ihr raus, aber wir sind immer noch da.“

Auch dank prominenter Unterstützung. Angela Merkel ist zwar nicht persönlich gekommen, aber ihr kabarettistisches Double. Christoph Jungmann schlüpft seit 1996 in die Rolle der Kanzlerin, heute hat er ein brombeerfarbenes Kostüm an und moderiert die Pressekonferenz. Jungmann wird künftig an jedem ersten Sonntag im Monat um 12 Uhr mittags in „Angies Sonntags-Salon“ Gäste empfangen. Den Auftakt am 1. September macht Winfried Glatzeder, weil der Film „Die Legende von Paul und Paula“ zu den Lieblingswerken der Kanzlerin gehört.

Ilja Richter sitzt ebenfalls auf dem Podium, er erzählt von der Kampagne zur Rettung der Gaslaternen, die zwar nicht zum gewünschten Erfolg geführt hat, aber zumindest zu einer musikalisch-komödiantischen Show: Beim Versuch, die Laternen zu retten, hat Richter nämlich Ulrich Michael Heissig kennengelernt, den Schöpfer der Irmgard Knef, der fiktiven jüngeren Schwester von Hildegard Knef. In „Du kannst nicht immer 60 sein“ treten die beiden samt Band Ende Oktober im Theater am Kurfürstendamm auf. Und gehen anschließend mit der Produktion auf Tournee.

Martin Woelffer selbst bringt den Überraschungsfilmerfolg der letzten Jahre auf die Bühne: „Ziemlich beste Freunde“ hat Ende September Premiere, die Hauptrollen spielen Erdal Yildiz und Mike Adler. Mit seiner zweiten Inszenierung geht Woelffer gewissermaßen fremd: „Auf ein Neues“, unter anderem mit Marion Kracht und Daniel Morgenroth“, ist eine Produktion der Kempf Theatergastspiele in Zusammenarbeit mit der Komödie am Kurfürstendamm. Woelffer setzt verstärkt auf Kooperationen, in ökonomisch schwierigen Zeiten lässt sich so das wirtschaftliche Risiko verkleinern und das Angebot vergrößern.

Gunter Gabriel eröffnet die neue Spielzeit. Nachdem der Sänger vor nicht allzu langer Zeit am Renaissance-Theater in einem Stück über Johnny Cash („mein großes Vorbild“) sein Theaterdebüt gegeben hat, bringt er nun, wieder gemeinsam mit Volker Kühn, seine eigene Geschichte auf die Bühne: „Ich, Gunter Gabriel. Mein Leben mit Musik“ hat am 22. August Premiere, gespielt wird erst mal nur bis zum 1. September. Danach wird die Koproduktion wohl auf Tournee gehen.