Film

DDR-Tischler liebt BRD-Hausfrau

„Jedes Jahr im Juni“ sieht aus wie die Inszenierung eines Schulaufsatzes

Man wird ja auch älter. All dieses Langen und Bangen und Fragen, wer jetzt eigentlich was mit wem hat, das überfordert einen doch. Machen wir mal was Einfaches, etwas Nettes, wo alles von Anfang an klar ist, muss sich Regisseur Marcus O. Rosenmüller gedacht haben. Und dann drehte er „Jedes Jahr im Juni“.

Hausfrau Elke aus der BRD, Kennzeichen Perlenkette, verliebt sich beim Verwandtenbesuch in Halle in den Tischler Gregor aus der DDR, Kennzeichen Vokuhila-Frisur. Schon als sie (Katharina Wackernagel) ihn (Peter Schneider) nach knappen drei Minuten Film zum allerersten Mal sieht, beginnt das große Seufzen. Gregor ist erst ähnlich überrascht wie der Zuschauer über die urplötzlich aufflammende Lust, aber da sich der Film vorgenommen hat, ganze Jahrzehnte nachzuerzählen, ist die Eile am Anfang dann vielleicht doch nicht so erstaunlich.

Der DDR-Tischler hat eine Datsche, die er szenentauglich selbst zusammenzimmert, er hilft Frauen beim Abtrocknen und kocht auch – nackt, nur mit Schürze bekleidet. Die BRD-Hausfrau hat bürgerliche Moralvorstellungen, fühlt sich in ihrer perfekt geputzten Wohnung gefangen und hat einen Mann, der viel Geld verdient und ihr jetzt das Arbeiten verbieten will, was wiederum Gregor nicht versteht.

Zwischen den beiden und ihrer Begierde stehen außer der Mauer auch noch die jeweiligen Ehepartner und Kinder, um die es bei den zukünftigen Treffen dann auch vor allem gehen wird. Jeder ist Teil einer Welt, die er nicht aufgeben kann und will. Also versprechen sie sich: Jedes Jahr im Juni werden sie sich lieben.

Der Zuschauer begleitet das Paar durch die Jahre, in denen unseren Protagonisten immer das passiert, was im geteilten Deutschland auch das Leben der Menschen beherrscht. Arbeitslosigkeit, Emanzipation und Grünen-Parteigründung im Westen, Materialknappheit, Fernweh und Repression im Osten. Elke kriegt einen Job, Gregor macht seine eigene Tischlerei auf.

Was sich die beiden aus ihrem Leben nicht erzählen, zeigen die Homemovies: Pools und Pionierfeiern, Einschulungen und Geburtstage, einmal hier, einmal da.

Dann fällt die Mauer, und die Familien zerfallen auch. Wenn das ganze Geknutsche nicht wäre, dann könnte man meinen, der Film wäre die Inszenierung eines Schulbuchaufsatzes zum Thema „Alltag in der DDR und der BRD – vor und nach der Wende“. Und genau deswegen ist dieser harmlose Liebesfilm dann doch ziemlich ärgerlich.

Die DDR hat Konjunktur. Die Faszination an dem untergegangenen Land ist ungebrochen, wie man zuletzt bei der Verfilmung von Uwe Tellkamps Roman „Der Turm“ sehen konnte. Es wird immer wichtig sein, Filme über die Zumutungen zu drehen, denen Menschen in diesem Land ausgesetzt waren. Das Genre muss kein Politikfilm sein, ein Liebesstreifen, selbst ein seichter, tut es auch. Nur – so plakativ wie diese Geschichte sollte das Ergebnis nicht sein.

Arte, heute 20.15 Uhr