Eilverfahren

Suhrkamp: Nach Insolvenzbeschluss Niederlage für Barlach

Auch nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens für den traditionsreichen Suhrkamp Verlag geht der juristische Streit zwischen den beiden Eigentümern weiter.

Das Landgericht Berlin wies am Donnerstag in einem Eilverfahren den Antrag von Minderheitsgesellschafter Hans Barlach zurück, Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz die Geschäftsführung zu entziehen. Damit kann die Verlegerwitwe auch während des laufenden Insolvenzverfahrens die Leitung des Hauses behalten.

Der Richter sei Barlachs Antrag auf eine Einstweilige Verfügung gegen Unseld-Berkéwicz und ihre beiden Mitgeschäftsführer nicht gefolgt, sagte Gerichtssprecher Ulrich Wimmer. Eine Begründung für die Entscheidung lag zunächst nicht vor.

Die am Mittwoch bekannt gewordene Eröffnung des Insolvenzverfahrens wurde unterdes in Öffentlichkeit und Medien weitgehend positiv aufgenommen. Aus der inzwischen vorliegenden Begründung des Amtsgerichts Berlin-Charlottenburg geht hervor, dass der vorläufige Gläubigerausschusses einstimmig hinter der Entscheidung steht, das Verfahren in Eigenverwaltung durchzuführen und nicht mit einem Insolvenzverwalter.

Nach den Worten des Suhrkamp-Generalbevollmächtigten Frank Kebekus ist es das Ziel, Suhrkamp als „literarische Institution“ so aufzustellen, dass Mitarbeiter, Autoren und Leser auch in den nächsten Jahrzehnten einen „tollen Verlag“ vorfänden. Die Insolvenzeröffnung sei ein wichtiger Schritt dahin, sagte Kebekus dem Deutschlandradio Kultur. Der bei Gericht vorgelegte Insolvenz-Plan sieht vor, den Verlag in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Barlach, dem 39 Prozent am Unternehmen gehören, müsste dann auf zahlreiche Sonderrechte verzichten.

Suhrkamp-Sprecherin Tanja Postpischil bestätigte gestern, dass die Darmstädter Unternehmerfamilie Ströher an einem Einstieg bei dem Traditionsverlag interessiert ist. Bisher hat allerdings keiner der beiden Suhrkamp-Gesellschafter Interesse an einem Verkauf seiner Anteile signalisiert.