Thriller

Fast wie Fernsehen: Hjorth & Rosenfeldts schwedischer Patient

Reden wir mal über eine angehende schöne Leiche. Sie liegt in der Klinik. Jeder kennt sie. Alle haben sie mal geliebt, manche lieben sie immer noch.

Sie war eine Stilikone. Jetzt liegt sie hier, abgenudelt, nahezu hirntot, sieht aber noch hübsch aus. Immer neue Instrumente werden herbeigeschafft und an den Körper der Schönen angeflanscht. Manchmal hilft es was, dann macht sie die Augen auf, und ein Strahlen huscht durch den Raum. Lange hält es nicht an.

Der Patient, der hier auf den Tod wartet, man ahnt es schon, wir müssen ja irgendwie jetzt schnell auf „Die Toten, die niemand vermisste“ kommen, den dritten Thriller der Schweden Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt, dieser Patient ist der skandinavische Kriminalroman. Hjorth und Rosenfeldt ist die jüngste erfolgreiche Anflanschung neuer Instrumente an den ausgemergelten Stilkörper zu verdanken. Und, weil es Erfolg brachte, das letzte Strahlen, das von Norden durch den literarischen Raum und die Bestsellerlisten ging.

Bei Hjorth/Rosenfeldt pulst da noch was. Das Ensemble ist geschickt zusammengesetzt, es gibt Konflikte, die noch ein paar Fälle aushalten, Liebesgeschichten sind angesponnen, Charaktere anschraffiert. Hjorth/Rosenfeldt sind ausgemachte Meister im Dosieren von Subgeschichten.

Und damit sind wir schon beim ersten neuen Instrument, das die literarischen Seiteneinsteiger (Hjorth war Drehbuchautor der Mankell-Filme, Rosenfeldt ist Schauspieler und Drehbuchautor) angestöpselt haben an den schwedischen Patienten: die amerikanische Fernsehserienschreibschule. Wie man komplexe Handlungen aufbaut, wissen sie genau, wie man sie dramaturgisch gescheit verschneidet, wie man Nebenfiguren führt. So fettleibig die Bücher aussehen mögen, so schlank sind sie konzipiert und geschrieben. Hjorth/Rosenfeldt machen – im Gegensatz zu ihren Mördern - keine Fehler. Man kann sich ihnen blindlings überlassen auf der Fahrt durch die schwedische Gegenwart. Es wird schon gut gehen. Geht es auch.

Michael Hjorth, Hans Rosenfeldt: Die Toten, die niemand vermisst, Rowohlt, Reinbek, 592 Seiten, 14,99 Euro