Roman

Dem Schrecken ein Schnippchen schlagen

Man unterschätzt ihn gern.

Sein munter perlender Erzählton, der Gute-Laune-Faktor, der von seinen Büchern ausgeht, sie könnten zu der Annahme verführen, in dem Schweizer Romancier Alex Capus habe man ein Leichtgewicht vor sich. Natürlich: Die große literarische Offenbarung wird man von ihm nicht erwarten. Aber ein ernstes, ein im Grunde geschichtsphilosophisches Anliegen ist es durchaus, was ihn umtreibt. In „Skidoo“ sowie in „Leon und Louise“ zeichnete es sich ab, jetzt, mit seinem neuesten Roman, der den etwas umständlichen Titel „Der Fälscher, die Spionin und der Bombenleger“ trägt, bekommt das Anliegen noch mehr Kontur. Man könnte es als Aufbegehren gegen das 20. Jahrhundert bezeichnen. Oder, die schelmische Erzählhaltung des Alex Capus berücksichtigend, als ein Bemühen, den Schrecklichkeiten des vergangenen Säkulums ein Schippchen zu schlagen. Durch Bewegungen des Aussteigens, der Verweigerung, des Nicht-Mitmachens.

Drei Protagonisten sind es dieses Mal, die Capus durch das 20. Jahrhundert schliddern lässt. Sie, durch die Bank historisch verbürgt, treten alle an mit hehren Zielen. Sie müssen Kompromisse machen. Sie haben ihre Strähne. Sie enden unterschiedlich. Der glücklichste, erfolgreichste als Nobelpreisträger für Physik: Felix Bloch (1905 bis 1983). Der zweite, Künstler seines Zeichens, immerhin als „größter Fälscher aller Zeiten“, wie ihm der Autor attestiert. Denn diesem Emile Gilliéron (1885 bis 1939) gelingt nichts Geringeres als die „Erfindung“ einer sinnenfroh-heiteren minoischen Kultur, die er aus dem Geist des Jugendstils durch seine Wandmalereien auf dem Ausgrabungsgelände von Kreta kühn herbeifantasiert. Nur das Ende der Dritten im Bunde ist tragisch: Laura D'Oriano (1911 bis 1943), die Sängerin werden wollte und ihr Leben als Spionin für die Alliierten im Zweiten Weltkrieg beschließt, darf darf über sich sagen lassen, dass sie die einzige Frau ist, die jemals in Italien zum Tode verurteilt wurde. In einem Italien unter deutscher Vormundschaft allerdings.

Alex Capus: Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer. Hanser, München. 282 S., 19,90 €.