Nachruf

Josef Darchinger, das „Auge der Bonner Republik“, ist tot

Zehn Jungen in Lederhosen mit Tretrollern stehen vor einem Storck-Riesen-Automat in einer Straße in Bonn. Dieses frühe Farbfoto von Fotojournalist Josef Heinrich „Jupp“ Darchinger wurde zu einem der klassischen Bilder des Wirtschaftswunders der Fünfzigerjahre.

In den folgenden Jahrzehnten machte Darchinger sich aber vor allem mit seinen politischen Fotografien einen Namen. Heute gilt er als einer der bedeutendsten Fotojournalisten in Deutschland, dessen Fotografien das Bild der Bonner Republik prägten. Am Sonntag ist Darchinger kurz vor seinem 88. Geburtstag in der Nähe seines Geburtsortes in Bonn-Endenich gestorben.

Mitte der Sechzigerjahre gelang ihm der Durchbruch beim „Spiegel“, für den er als das „Auge von Bonn“ im Laufe seiner Karriere über 10.000 Fotos schoss. Eine besondere Rolle spielte dabei Bundeskanzler Willy Brandt, den Darchinger auf vielen Reisen begleitete. „Willy hat immer genau in meiner Fotoachse gestanden – es war fantastisch.“ Unvergessen ist das Foto von einer Wahlkampfveranstaltung 1972, auf dem Brandts persönlicher Referent Günter Guillaume zu sehen ist, wie er dem Bundeskanzler ins Ohr flüstert. Damals wusste man noch nicht, dass Guillaume als Spion für die DDR arbeitete. Mit den meisten Politikern seiner Zeit kam Darchinger gut aus, Probleme gab es nur mit Helmut Kohl. „Die beiden waren wie Katz und Maus“, erinnert sich Sohn Frank Darchinger, der den Beruf des Vaters fortführt. „Er hat meinem Vater stets vorgeworfen, ihn bewusst unvorteilhaft zu fotografieren.“