Klassikfestival

Etwas Klassik, etwas Exotik und Sommerlaune extra

Auftakt des Young Euro Classic Festivals

Es wird gejubelt im Konzerthaus. Es müssen viele Mexikaner im Publikum sitzen. Es ist fast 23 Uhr, ein langer Abend. Die Eröffnung des 14. Young Euro Classic Festivals endet aber berlinisch. Sergio Cardenas lässt sein Jugendorchester der Nationalen Universität Mexikos als vierte Zugabe Paul Linckes Operettenhit „Das ist die Berliner Luft“ spielen. Normalerweise beschließen damit die Berliner Philharmoniker in der Waldbühne ihre Saison. In gewisser Weise hat der mexikanische Dirigent und Komponist, Jahrgang 1951, damit auf seine Verbindung nach Berlin hingewiesen. Bereits 2002 hatte er für die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker ein Klassik-Rap mit Sir Simon Rattle als Rapper komponiert. Allerdings ist seinen jungen Musikern die preußische Operettentradition mit Marschrhythmus und Schenkelklopfen beim Mitsingen hörbar fremd.

Das Jugendorchester präsentiert sich mit einem europäisch-mexikanischen Programm. Es ist dann am sichersten, am mitreißendsten, wenn es sich der heimischen Musik widmet. Im zweiten Teil spielen sie eine beeindruckende Komposition von Silvestre Revueltas. Der Komponist muss eine schillernde Figur gewesen sein: Ein Geiger, in den USA ausgebildet, mit der europäischen Musik bestens vertraut. Er komponiert Filmmusik, in einem Film tritt er auch als Barpianist auf, der über sein Klavier das Schild hängt: Es wird gebeten, nicht auf den Pianisten zu schießen!

1940 säuft er sich zu Tode, wie es heißt, beim Feiern des Erfolgs von „La noche de los Mayas“. Das Breitwandformat dieser Filmmusik führt das groß besetzte Jugendorchester im Konzerthaus lautstark vor. Die vierteilige Suite für den Konzertsaal entstand erst 1960, 21 Jahre nach der Komposition zum gleichnamigen Film von Chano Urueta. Kreolische und afro-indianische Einfälle gehen hier eine eigentümliche Mischung ein mit Anklängen an Strawinsky, Debussy und auch de Falla. Am Ende läuft die musikalische Entwicklung jedoch auf eine gewaltige Klangentladung des üppig besetzten Schlagzeugs hinaus, das sich in immer neuen Aufgipfelungen zu einem rhythmischen Feuerwerk steigert.

Nicht so stilsicher bewegt sich das Orchester in den Gefilden Prokofjews und Beethovens in der ersten Konzerthälfte. Allzu wuchtig und schwerfällig treten in den Auszügen aus Prokofjews „Romeo und Julia“-Suite op. 64 die „Montecchi und Capuleti“ gegeneinander an. Auch an seiner Klangbalance hat das Ensemble noch zu arbeiten. Besonders in den Forte-Passagen vermisst man instrumentalen Glanz und Tonschönheit.

Das 5. Klavierkonzert von Beethoven klingt in der Interpretation mit der erfahrenen mexikanischen Pianistin Guadalupe Parrondo gar ein wenig brav. Festzuhalten bleibt, dass das mexikanische Studentenorchester mehr in der europäischen Klangtradition steht. Das mag auch mit Sergio Cardenas zusammen hängen, der das Dirigentenhandwerk am Salzburger Mozarteum erlernte. Am Pult zeigt er sich indes als Macho, der bei tänzerischen Stücken auch mal locker die Hüften schwingt. Ein bisschen Klassik, ein bisschen Exotik und jede Menge gute Sommerlaune.