Young Euro Classic

Beim Besuch von Buchenwald gab es Dissonanzen

Junge Musiker aus Weimar und Israel spielen in Berlin

Die vergangenen Tage waren harte Probenarbeit. Minuziös feilte die junge südkoreanische Geigerin Sunny Tae am Solopart des Violinkonzerts von Felix Mendelssohn Bartholdy, mit dem sie am Sonnabend im Weimarer Benefizkonzert des Bundespräsidenten und am Dienstag in Berlin beim Young Euro Classic-Festival im Konzerthaus zu erleben ist. Doch das „Kribbeln im Bauch“ hat weniger mit der Prominenz im Saal zu tun. Die Solopartie gehört für die 26-Jährige zu ihrem Konzertexamen als dem höchsten künstlerischen Abschluss an der Weimarer Musikhochschule „Franz Liszt“.

Begleitet wird Sunny Tae, die 1987 in Seoul geboren wurde und seit vier Jahren in der Thüringer Klassikerstadt studiert, vom Young Philharmonic Orchestra Jerusalem Weimar unter der Leitung von Michael Sanderling. Das vor zwei Jahren gegründete deutsch-israelische Jugendorchester hat sich dem „Erinnern mit Musik“ verschrieben und will damit Impulse geben für Verständigung und Versöhnung zwischen beiden Völkern. Im Miteinander des Musizierens soll dieses Anliegen ebenso konkret werden wie etwa bei Besuchen in der nahen KZ-Gedenkstätte Buchenwald – oder bei gemeinsamen Feiern.

Reden über den Holocaust

Dabei erleben die Studenten aus Weimar und von der Jerusalem Academy of Music and Dance die deutsch-jüdische Vergangenheit durchaus als Spannungsfeld. Bei einem ersten Buchenwald-Besuch seien sie in dem ehemaligen Konzentrationslager bei Weimar als getrennte Gruppen unterwegs gewesen, erinnert sich die Geigerin Hila Lifshitz: „Man hörte kein Wort Englisch mehr, die Deutschen sprachen unter sich und wir Israeli ebenso. Es lag eine unüberhörbare Dissonanz in der Luft.“ Selbst beim zufälligen Treffen am Abend habe niemand darüber reden wollen. „Aber dann ist es irgendwie aus uns herausgebrochen. Das hat uns näher zusammengebracht“, bekräftigt die Musikerin.

Der Cellist Shaul Kofler hatte damals den Eindruck, dass sich die deutschen Studenten beim Reden über Nationalsozialismus und Holocaust „sehr unbehaglich“ fühlen. „Unter uns Israeli ist das einfacher, da jeder persönlich betroffen ist. Jeder hat Verwandte verloren“, fügt der Cellist hinzu. Auch Yesha Ayahu Ginzburg aus Jerusalem sagt, sie habe die Geschichte stets im Hinterkopf. Doch sie herrsche für sie „nicht über die Gegenwart und die Zukunft“. Die Viola-Spielerin war schon 2011 dabei.

Das Repertoire der rund 80 jungen Musiker zielt besonders auf Werke, mit denen die verbindende und die trennende Geschichte in der Perspektive des jeweils Anderen lebendig werden soll. Bei den ersten Konzerten 2011 gehörte dazu eine unvollendete Komposition von Viktor Ullmann, der 1944 in den Gaskammern von Auschwitz starb. In diesem Jahr steht neben dem Mendelssohns Violinkonzert Musik von Berthold Goldschmidt, Gustav Mahler und Dmitri Schostakowitsch auf dem Programm. Der aus Hamburg stammende Berthold Goldschmidt (1903-1996) mit seinem Exil ab 1935 in London ist dabei zugleich Symbol für das Schicksal zahlloser jüdischer Künstler in der NS-Zeit.

Konzerthaus Young Euro Classic am 30.7. um 20 Uhr Tel. 84108909