Ausstellung

Ein Berliner malt in Paris

In Max Liebermanns Villa am Wannsee wird das Verhältnis des Berliner Malers zu Frankreich beleuchtet

Hell schimmert das Licht durch die Blätter. Unter üppigen Bäumen stehen voll besetzte Bänke im „Biergarten in Brannenburg“. Ausschließlich Männer sitzen vor ihren Krügen an diesem lauschigen Ort, der überall sein könnte, ob nun in Bayern oder Preußen. Max Liebermann malte ihn 1893. Da war er aus Paris zurückgekehrt nach Berlin, aber in Frankreich geschätzter als in der Heimat. Kaum trocken, wurde das Bild vom Musée du Luxemburg in Paris angekauft – ein Triumph für den Meister der Freilichtkunst.

Die Franzosen erkannten in dem deutschen Impressionisten ihresgleichen. 1873 zog er mit 26 Jahren in die damalige Hauptstadt der Kunst und blieb bis Ende der 1870er Jahre in Paris. Bereits zuvor hatte er Frankreich besucht, um die Schule von Barbizon zu studieren. Der kleine Ort südlich von Paris, mitten im Wald von Fontainebleau, zog Künstler magisch an. Camille Corot und Jean-Francois Millet stiefelten dort durch die Gegend und schufen ihre realistischen Bilder mühevoller Landarbeit und stimmungsvoller Natur.

Das einfache Leben auf dem Lande

Dass auch der Berliner in seinem Pariser Atelier im Quartier du Faubourg-Montmartre in der Rue de la Rochefoucauld fleißig das einfache Leben festhielt, erfährt man in der Ausstellung „Max Liebermann und Frankreich“. Damals entstand unter anderem das Großformat „Kartoffelernte in Barbizon“ (1875). Es zeigt die gebeugten Arbeiter auf einem Feld am Waldrand schuftend. Was Corot aus dem gleichen Thema machte, lädt in der Liebermann-Villa am Wannsee jetzt zum Vergleich ein.

Seine „Bäuerin im Wald von Fontainebleau“ ähnelt verblüffend in Haltung und Kleidung Liebermanns „Arbeiterin im Rübenfeld“. Es lassen sich aber noch mehr Berührungspunkte finden, die den Maler mit seinen französischen Vorbildern Corot, Millet und später auch Claude Monet verbinden. Denn auch die Impressionisten beeinflussten ihn, der sich vom Realismus zum Impressionismus entwickelte, maßgeblich. Sie öffneten ihm vor allem die Augen für das Wechselspiel des Lichts.

Mit lockerem Strich und kräftigen Farben wandte sich Liebermann von Motiven wie seinen in den Pariser Salons gezeigten „Gänserupferinnen“ ab, malte ab 1890 lieber sommerliche Biergärten, buntes Strandleben, muntere Polospieler. Nicht die genaue Verortung war ihm wichtig, sondern das Licht der Sonnenstrahlen oder die Bewegung der Pferdemuskeln und Blätter. Viel Wald und Feld zeigt die Schau, etwa die „Allee beim Jagdschloss Dreilinden“. Dieses Spätwerk mit den hohen Bäumen hängt neben einem idyllischen „Waldweg“ Monets.

Der Franzose tüpfelt an jedem einzelnen Birken-Blättchen mit größter Genauigkeit, während Liebermann großzügiger vorgeht, der Natur ein geheimnisvolles Flair verleiht – Leuchtkraft sowieso. „Bravo, bravissimo“, hatte der betagte Corot einer Arbeit des Kollegen attestiert, als dieser in Deutschland noch als „Schmutzmaler“ galt und anfangs verkannt wurde. Dabei feierte Liebermann in Paris erste Erfolge. Stolz schrieb der 36-Jährige den Eltern, als ein Artikel über ihn in der Kunstzeitschrift „L’ Art“ erschien: „Ich send’ Euch diese Rezension/ von Eurem einst verkannten Sohn,/ der réellement – und damit ihr’s wisst –/ est un de nos plus grandsartistes./ Dies steht nun fest für immerdar,/ gedrucktes Zeug ist ja stets wahr.“ Auch französische Sammler griffen zu. 1882 war der Berliner Mitglied der französischen Künstlergruppe „Cercle des XV“ geworden. Später bat man den „vielleicht fortschrittlichsten Maler, den es in Deutschland gibt“, für die Pariser Weltausstellung 1889 eine Auswahl deutscher Kunst zusammenzustellen.

Heute hängt sein „Biergarten in Brannenburg“ übrigens im Pariser Musée d’Orsay, der Hochburg französischer Impressionisten. Von dort ist das Bild jetzt als Leihgabe nach Berlin in die Liebermann-Villa am Wannsee gereist. Zusammen mit Werken von Berthe Morisot, Henri Toulouse-Lautrec, Camille Pissarro und weiteren Franzosen, die Liebermann auch gesammelt hat, kann es nun bewundert werden. In diesen schönen Sommertagen – mit Ausblick auf die Stockrosen im Garten. Das ist immer einen Ausflug wert.

Liebermann-Villa am Wannsee, Colomierstr. 3. Mi-Mo 10-18 Uhr, Do/So 10-19 Uhr. Bis 12. August. Informationen unter: www.liebermann-villa.de