Wagner-Fest

Castorfs Reise zum Erdöl: Bayreuth zeigt einen neuen „Ring“

Die Spannung steigt in Bayreuth: Zum 200. Geburtstag Richard Wagners präsentieren die von ihm gegründeten Festspiele einen neuen „Ring des Nibelungen“.

Doch am heutigen Donnerstag beginnt das Festival nicht gleich mit dem „Ring“-Auftakt, sondern mit einer Produktion aus dem Vorjahr: „Der fliegende Holländer“. Zur Festspieleröffnung wird Bundespräsident Joachim Gauck erwartet, zudem Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die mit ihrem Mann Joachim Sauer zu den Stammgästen auf dem Grünen Hügel gehört.

Tags darauf folgt dann „Das Rheingold“ und damit der Beginn der „Ring“-Tetralogie. Inszeniert hat ihn Frank Castorf, der Intendant der Berliner Volksbühne. Er genießt den Ruf eines Stückezertrümmerers. Vorab heißt es, Wagners Mammutwerk deute Castorf als Reise zum Erdöl, dem Gold unserer Tage. Dem „Spiegel“ schilderte er die Arbeitsbedingungen in Bayreuth – für die „Rheingold“-Inszenierung habe er nur neun Tage Zeit gehabt, das habe ihn an das Set einer Daily Soap erinnert.

Keine andere Neuproduktion im landauf, landab gefeierten Wagner-Jahr wird mit so viel Spannung erwartet wie der neue Bayreuther „Ring“. Es wird sich zeigen, ob die Festspielchefinnen Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier, deren Verträge 2015 enden, ein glückliches Händchen bei der Organisation des Jubiläums-„Rings“ hatten oder nicht. Die musikalische Leitung hat Kirill Petrenko, künftiger Generalmusikdirektor des Bayerischen Staatsorchesters. Der Bayreuth-Debütant gab sich schweigsam, lehnte Interview-Anfragen ab. Er dürfte die musikalische Qualität im Festspielhaus auch weiter garantieren – neben den Dirigenten Christian Thielemann („Holländer“), Andris Nelsons („Lohengrin“) und Axel Kober („Tannhäuser“). Buhrufe für die Regie und Jubel für Orchester und Dirigenten sind mittlerweile Usus in Bayreuth. Der „Holländer“ in der eher braven Inszenierung Jan Philipp Glogers wird am Eröffnungstag auch in zahlreiche Kinos übertragen.