Berlinale

Schwitzen statt frieren

Im Friedrichshain wird der rote Teppich ausgerollt: Die Sommer-Berlinale wiederholt Highlights aus dem Februar

„Gloria“ war das Feel-Good-Movie der Berlinale 2013. Und Paulina García der Liebling der Saison. Alle verliebten sich in die kraftvolle Chilenin, die denn auch zu Recht den Silbernen Bären als Beste Schauspielerin gewann. Nur – wie soll man das jenen erklären, die den Film verpasst haben? 404 Filme gab es in diesem Jahr zu sehen, schon wieder ein neuer Rekord, und das in zehn Tagen. Wer soll da noch den Überblick behalten, wer kann überhaupt das Angebot von 40 Filmen pro Tag bewältigen?

Eine gute Möglichkeit zum Nachholen bietet sich jetzt. „Gloria“ läuft noch einmal auf der Sommer-Berlinale. Bereits zum elften Mal werden hier Highlights des vergangenen Festivals wiederholt. Da darf man noch aus einem anderen Grunde nostalgisch werden. Schwitzen statt frieren, leichte Kleidung statt dicke Mäntel: So hat man früher die Berlinale auch schon erlebt. So ist sie einst gegründet worden, als Sommer-Spiele der damals noch geteilten Stadt. Erst 1979 wurde sie in den Februar verlegt. Und auch wenn der Schritt in den Winter unter programmatischen und logistischen Standpunkten richtig war, sehnt man sich doch immer wieder nach den frühen, lauschigen Sommerjahren.

Dieter Kosslick hat das schon früh erkannt. Mit einem Sommer-Event, so seine Idee, könne man an die Festivalgeschichte anknüpfen. Und die zweite Überlegung war, erinnert sich Mr. Berlinale: „Was können wir für unser tolles, treues Publikum in Berlin noch tun?“ Gleich 2003, nach seiner zweiten Berlinale, wurde der Plan umgesetzt, in Zusammenarbeit mit Radioeins und dem Freiluftkino Friedrichshain. Damals mit dem Goldenen-Bären-Gewinner, Michael Winterbottoms „In the World“. Seither wird der klassische rote Teppich im Juli in Friedrichshain ausgerollt, gesäumt von den ebenfalls vertrauten Berlinale-Fahnen. Kosslick und sein Team wählen stets Filme aus, die besonders gern angenommen wurden, die besonders schnell ausverkauft waren. Vier Beiträge werden am Ende gezeigt, immer aus unterschiedlichen Sektionen. Und die Sektionschefs lassen es sich nicht nehmen, sie persönlich vorzustellen.

Die diesjährige Sommer-Berlinale wird heute mit dem Forums-Beitrag „Das merkwürdige Kätzchen“ eröffnet, morgen folgt das Panorama-Highlight „Frances Ha“, am Samstag besagte „Gloria“ aus dem Wettbewerb. Beschlossen wird die Reihe am Sonntag mit „Viktor und Viktoria“. Das Hollywood-Remake von 1981 kennt jeder, das Original aber ist ein früher deutscher Tonfilm von 1933, der, das haben die Nazis gründlich geschafft, weithin vergessen ist und in der Retro „The Weimar Touch“ wiederzuentdecken war. Die Sommer-Berlinale wird übrigens immer sehr gut angenommen. Wenn, tja wenn nicht das Wetter dazwischen kommt. Auch der hiesige Sommer kann ganz schön garstig sein. Aber da hat man dieses Jahr wohl Glück. Das aktuelle Hoch Yasmine wird für die richtige Open-Air-Stimmung sorgen.

Fragt sich nur, warum man die Idee nicht weiter ausbaut. Und nicht nur ein Hundertstel, sondern vielleicht sogar ein Zehntel des Festivals wiederholt. Sommer-Berlinalen gibt es inzwischen selbst in Köln und Nürnberg. Geographisch breitet sich die Idee also weiter aus. Programmatisch leider nicht. „Eine Erweiterung“, so Kosslick, „ist angesichts des erheblichen Aufwands nicht so einfach.“ Es müsse sich jemand um die Filme kümmern, Rechte und Lizenzen verhandeln. „Unser Kerngeschäft ist und bleibt die Berlinale im Februar.“ Schade.

Kann man es nicht machen wie Sebastián Lelio? Dem „Gloria“-Regisseur hat es auf der Berlinale so gut gefallen, dass er einfach in der Stadt geblieben ist. Und ein eigenes Restaurant eröffnet hat.

Sommer-Berlinale im Freiluftkino am Friedrichshain. 25.-28.7., je 21 Uhr. Programm: www.freiluftkino-berlin.de