Geschichte

Ebay-Auktion: Keine Gebote bislang für Schindlers Liste

Der Krakauer Museumsdirektor Michal Niezabitkowski sieht die Online-Auktion der berühmten „Schindler-Liste“ skeptisch.

„Das Dokument hat große historische Bedeutung, aber es ist keine drei Millionen Dollar wert“, sagte er im polnischen Rundfunk. Das 14-seitige Dokument, in dem 801 jüdische Häftlinge unter anderem mit Name, Geburtsdatum und Beruf aufgeführt sind, wurde am Freitag mit einem Startpreis von drei Millionen Dollar (rund 2,3 Millionen Euro) von einer Auktionsagentur aus Kalifornien eingestellt. Als Standort des angebotenen Artikels wird Israel genannt. Bisher blieben Gebote aus. „Das Problem ist, dass die Originalliste nicht mehr existiert“, sagte Niezabitkowski. „Hier will jemand die Legende verkaufen.“ Die zum Verkauf stehende Liste sei eine von insgesamt sieben Abschriften, die während der Evakuierung von Schindlers Emailfabrik angefertigt worden waren. Von den vier noch existierenden Listen befinden sich zwei im Jerusalemer Museum Yad Vashem, eine weitere im Holocaust-Museum in Washington

Schindler hatte während des Zweiten Weltkriegs 1200 jüdische Häftlinge, die er häufig nur zum Schein als Zwangsarbeiter für seine Fabrik in Krakau von der SS angefordert hatte, vor der Ermordung in den Vernichtungslagern der Nazis bewahrt. Seine Geschichte war durch den Oscar-prämierten Film „Schindlers Liste“ von Steven Spielberg Mitte der 90er-Jahre auch einem breiten Publikum bekannt geworden. „Diese überaus seltene originale Schindlers Liste ist die einzige jemals auf dem Markt angebotene“, heißt es in der Beschreibung bei Ebay. Sie sei eine von vier noch existierenden. Zwei befinden sich nach Berichten von US-Medien in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem, die dritte in einer US-Gedenkstätte. Das Erstellungsdatum der Liste sei der 18. April 1945. Wie die Anbieter der Liste, Gary Zimet und Eric Gazin, der „New York Post“ sagten, erhoffen sie sich einen Verkaufspreis von fünf Millionen Dollar. „Wir haben uns für Ebay entscheiden, weil es weltweit mehr als 100 Millionen Mitglieder hat, und dies ist eine globale Sache", sagte Gazin. „Es gibt Milliardäre, die diese Seite nutzen.“