TV-Pöbel

„Spiegel“-Journalist Matussek geht gegen Krömer-Sendung vor

Kurt Krömer ist ein Talkshow-Anarchist. So sieht er sich zumindest selbst.

Wer zu ihm in die Show kommt, der kriegt was auf die Nuss. Das wusste wahrscheinlich auch der „Spiegel“-Journalist Matthias Matussek, als er zur Aufzeichnung der neuen Staffel von Krömers „Late Night Show“ eingeladen wurde. Er ging trotzdem hin. Und kriegte eine rein. Am 10. August sollte die Sendung bei der ARD ausgestrahlt werden. Nach dem „Wort zum Sonntag“. Das will Matthias Matussek jetzt verhindern.

Als „hinterfotziges Arschloch“ und „Pöbeljournalist“ stellte Kurt Krömer den „Spiegel“-Autoren Matussek seinem Publikum im Berliner Ensemble vor. Matussek wollte über sein jüngstes Buch „Die Apokalypse nach Richard“ reden, Krömer wollte lieber über Religion und das Zölibat sprechen. „Und was machen Sie nach der Talkshow? Gehen Sie in den Puff?“, frage er Matussek. Diese Idee gefiel Krömer anscheinend so gut, dass er für den Rest der Sendung kaum mehr zu Matussek sagte, als immer wieder „der Puffgänger“. Auch der „Spiegel“ kam nicht gut weg. Das Magazin verkaufe sich ja mittlerweile über Themen, die man sonst aus der Sendung „Vera am Mittag“ kenne, erklärte Krömer.

„Ich habe mich gefühlt wie ein Reh im Autoscheinwerferlicht“, sagte Matussek der Berliner Morgenpost. Krömer setze sich in Kampagnen für Respekt ein, aber in seiner Sendung trampele er über die Leute hinweg. „Das ist keine Anarchie, das ist Dumpfheit.“ Er habe jetzt einen Brief an die Intendanz der ARD geschrieben. „Mit unseren Zwangsgebühren wird da eine geistlose Kneipenprügelei inszeniert“, sagte er. „Damit tut man dem Publikum keinen Gefallen.“

Kurt Krömer war am Sonnabend nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen. Sein Anwalt Christian Schertz sagte, der Dialog auf der Bühne sei „von der Kunst- und Satirefreiheit gedeckt und muss als Ganzes betrachtet werden. Da kann man nicht einzelne Passagen herausschneiden.“